Wär’s des Tags zehntausendmal: Überwinde!

Christ. Es freut mich, lieber Bruder, daß du diesem Taugenichts so männlich Widerstand getan, denn er trägt, wie du sagst, seinen Namen ganz mit Unrecht. Er heißt Scham und ist doch so unverschämt, daß er uns auf der Straße nachläuft und uns vor den Leuten zu beschämen sucht, indem er das Wahre und Gute in den Kot zieht. Wäre er also nicht unverschämt, müßte er sich solches Tuns enthalten. Aber laß uns ihm nur kräftig widerstehen, denn trotz all seiner Prahlerei wird er sich doch nur bei Toren Gehör verschaffen können. „Die Weisen,“ sagt Salomo, „werden Ehre erben; aber wenn die Narren hoch kommen, werden sie doch zuschanden“ (Spr. 3, 35).

Getreu. Ich denke, wir müssen wider diesen Scham den um Beistand anrufen, welcher will, daß wir auf Erden mutig für die Wahrheit kämpfen.

Christ. Du hast recht. Aber sage mir noch: Ist dir in jenem Tal sonst nichts zugestoßen?

Getreu. Nein, ich hatte den ganzen übrigen Weg Sonnenschein; so auch im Tal der Todesschatten.

Christ. Wohl dir! Mir ist es ganz anders ergangen. Ich hatte schon beim Eintritt in das Tal einen langen, furchtbaren Kampf mit Apollyon zu bestehen. Schon verzagte ich an meinem Leben, da er mich zu Boden schmetterte und mir das Schwert aus der Hand flog. Apollyon triumphierte. Aber ich rief an den Herrn, und Er erhörte mich und half mir aus aller meiner Not. Im Tal der Todesschatten hatte ich fast den halben Weg kein Licht. Da dachte ich oftmals, ich werde umkommen; aber zuletzt brach der Tag an, die Sonne ging auf, und ich konnte das Ende des Tales ohne große Gefahr erreichen.

Ich sah nun in meinem Traum, daß Getreu, als er seitwärts blickte, einen Mann namens Schwätzer gewahr wurde, der in einiger Entfernung neben ihnen herging (denn die Straße war hier breit). Es war ein großer Mann, dessen Gestalt aber würdiger in der Ferne als in der Nähe erschien. Getreu redete ihn also an:

„Wohin, Freund? Gehst du auch nach der himmlischen Stadt?“

Schwätzer. Ja, dahin geht auch mein Weg.

Getreu. Schön, ich hoffe, du wirst uns gute Gesellschaft leisten.