„Sagte ich es dir nicht voraus?“ sprach Christ, indem er zu Getreu trat, „deine Worte und seine Gelüste konnten nicht zusammen stimmen. Er hat lieber deine Gesellschaft als sein sündliches Leben verlassen. Laß ihn gehen; den Schaden trägt er selber davon. Er hat es uns erspart, uns von ihm loszusagen, denn bleibt er, wie er jetzt ist, so wäre er nur ein Schandfleck für uns gewesen, und der Apostel sagt: ‚Tue dich von solchen!‘“ (1. Tim. 6, 5)
Getreu. Ich bin doch froh, daß ich dieses Gespräch mit ihm hatte. Ich habe ihm offen und ohne Rückhalt die Wahrheit gesagt, vielleicht denkt er doch einmal daran zurück, wo nicht, so bin ich wenigstens rein von seinem Blut.
Christ. Du hast wohlgetan, daß du so deutlich mit ihm sprachst. Dieser Offenheit bedient man sich in unsern Tagen nur zu selten, und deshalb sind viele Menschen gegen das Christentum so widrig gesinnt. Denn eben diese schwatzhaften Toren, deren Leben von ihrem Bekenntnis so sehr absticht, sind es, welche, in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen, der Welt ein Ärgernis geben, auf das Volk Gottes Schande bringen und die Aufrichtigen betrüben. Möchte nur jeder gegen solche Schwätzer so vorgehen! Entweder sie fingen ein Leben an, wie es sich für Christen ziemt, oder es würde ihnen in der Gemeinschaft der Heiligen der Boden unter den Füßen brennen, daß sie es in deren Mitte nicht mehr länger aushielten.
Hierauf stimmte Getreu ein Lied an und sang:
Mein Gott, ach lehre mich erkennen
Den Selbstbetrug und Heuchelschein,
Nach Christi Namen mich zu nennen
Und doch nicht Christi Glied zu sein!
Ach, wirk in mir zu Deinem Ruhm,
Mein Gott, das wahre Christentum!