2. Es ist nicht gegen das Gesetz, eine reiche Frau zu nehmen oder sich um bessere Kunden zu bemühen.

3. Erlangt er dies durch Frommwerden, so erlangt er etwas Gutes durch Gutes, indem er selbst gut wird. So hat er dann eine gute Frau, gute Kunden und guten Gewinn, und zwar infolge seiner Frömmigkeit. Wer könnte dies für etwas andres als für ein rechtes, Gott wohlgefälliges Streben halten?

Mit allgemeinem Beifall nahm man Herrn Geldliebs so gründliche Antwort auf die Frage des Herrn Nebenwege auf. Sie kamen dadurch zu dem Schluß, so zu handeln, sei sehr weise und vorteilhaft. Diese Antwort schien auch allen unwiderleglich zu sein, so beschlossen sie, da Christ und Hoffnungsvoll noch nicht allzuweit voraus waren, sich sogleich mit dieser Frage an sie zu machen, sobald sie sie würden eingeholt haben, und das um so mehr, da sie Herrn Nebenwege früher widersprochen hatten. So riefen sie ihnen nach, und jene blieben stehen, bis sie zu ihnen kamen. Unterdessen beschlossen die Nachkommenden, daß nicht Herr Nebenwege, sondern der alte Herr Haltwelt ihnen die Frage vorlegen sollte, weil sie fürchteten, die Besprechung würde, wenn sie Herr Nebenwege führte, eine zu erregte werden.

So kamen sie denn heran, und nach kurzer Begrüßung legte Herr Haltwelt Christ und seinem Gefährten die Frage vor und forderte sie auf, wenn sie könnten, darauf zu antworten.

Christ. Selbst ein Anfänger im wahren Christentum kann tausend solcher Fragen beantworten. Soll man Christus nicht um des Brotes willen nachfolgen[105], wie dies doch offenbar ist, so ist es ja wahrhaft abscheulich, Ihn als Larve vorzunehmen, um die Welt zu gewinnen. Auch ist nie jemand dieser Meinung gewesen als Heiden, Heuchler, Teufel und Zauberer.

1. Heiden. Die Heiden Hemor und Sichem hatten ihre Augen auf die Töchter und das Vieh des Patriarchen Jakob geworfen. Da sie dies unter keiner andern Bedingung erlangen konnten, als daß sie die Beschneidung annahmen, so sagten sie zu ihren Volksgenossen: „Wenn wir alles, was männlich unter uns ist, beschneiden, gleichwie sie beschnitten sind, so wird ihr Vieh und ihre Güter und alles, was sie haben, unser sein.“ Töchter und Vieh wollten sie haben: die Religion sollte nur das Mittel sein, dazu zu gelangen. (Lies 1. Mose 34, 20-24.)

2. Heuchler. Die heuchlerischen Pharisäer waren derselben Religion zugetan. Sie wendeten lange Gebete vor und fraßen dabei der Witwen Häuser. Ihr Lohn war desto schwerere Verdammnis (Luk. 20, 47).

3. Teufel. Judas, den der Herr einen Teufel nannte (Joh. 6, 70), hatte denselben Sinn. Er war fromm um des Beutels willen, den er trug; aber er wurde verworfen als ein Kind des Verderbens.

4. Ebenso Simon der Zauberer, der die Gabe des Heiligen Geistes um schnöden Gewinnes willen begehrte; das Urteil aber aus des Petrus Mund über ihn war: „Daß du verdammt werdest mit deinem Geld!“ (Apostelg. 8, 18-23).

5. Auch kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, daß der Mensch, welcher um irdischer Vorteile willen fromm wird, ebenso um irdischer Vorteile willen der Frömmigkeit wieder entsagt. Wie Judas die Welt liebte, als er ein Bekenner Christi wurde, ebenso verkaufte er hernach seine Frömmigkeit und seinen Herrn und Meister um der Welt willen. Wer also diese Frage bejaht, wie ihr getan habt, und wer jene Antwort als gültig anerkennt, der ist heidnisch, heuchlerisch, ja teuflisch gesinnt; und euer Lohn wird sein nach euren Werken.