Um sechs Uhr war er an den Toren der Fabrik und der erste, der eintrat. Er ging in die mechanische Werkstätte. An einem der Schraubstöcke stand er eine kurze Weile. Als er zurück kam, hielt er das gesprengte Armband in der Hand.
Noch fast eine Stunde ging er durch die öden Gassen dieser Gegend. Irgendwo schleuderte er das Armband auf einen Kehrichthaufen. Dann erst wusch er sich an einem Brunnen die Hände, verband sich das blutende Gelenk und trank in einer Destillation eine Tasse Kaffee. Um sieben Uhr war er an seiner Arbeit. Den Morgen über sprach er kein Wort. Am Mittag führ er nach Hause, warf sich auf sein Bett und schlief wie ein Toter.
Als er erwachte, war ein neuer Tag angebrochen. Mit ihm begann ein neues Leben für Franz Felder.—
Wenn das Leben, welches er vor einem Jahre vor seinem neuen, großen Ziele der Springmeisterschaft geführt hatte, ein einfaches und enthaltsames gewesen war, so war das, welches er jetzt lebte, noch spartanisch dagegen zu nennen. Es zerfloß zwischen Arbeit und Ruhe, und sein einziger Zweck war für Felder einstweilen: die Wiedererringung seiner Kraft. Nicht dessen, was andere Menschen Gesundheit und Kraft nennen. Die allermeisten hätten ihn um die seine beneidet. Nein, jener überlegenen, herkulischen Kraft, die er nötig hatte.
Daher strich er von einem Tage zum anderen alles aus seinem Leben, wodurch er glaubte, sie auch nur um ein Minimum vermindert zu haben: das Glas und die Frau, denn beides war Gift und Krankheit; jeden Verkehr, denn der nahm ihm die Zeit zur nötigen Ruhe; jede Freude, denn er wollte von ihr nichts mehr wissen; und um ganz sicher zu sein, strich er gleich alles auf einmal!
Das einzige, was er sich noch gönnte an Genüssen, war eine möglichst gute und nahrhafte Kost und zuweilen ein Glas starken Weines. Und Schlaf, viel Schlaf!—
Die Arbeit war ihm lieb. Sie hielt seine Kräfte im Gleichgewicht, ohne sie zu verbrauchen.
Außerdem verlieh sie seinem Leben die nötige Regelmäßigkeit. Da er mit seinem Gelde zu Ende und ganz auf sie angewiesen war, hütete er sich vor jeder unnötigen Ausgabe. Er kleidete sich wieder wie früher und achtete selbst an den Feiertagen kaum auf sein Äußeres. Wozu auch? Es sah ihn ja niemand mehr.
Er nahm sich nicht die Mühe, seinen Austritt aus dem Verein "Hecht" diesem anzuzeigen. Er sandte gelegentlich sein Trikot zurück. Sie hatten seinen Namen wohl bereits aus der Mitgliederliste gestrichen. Was lag ihm daran!—Er hatte nie Fühlung mit diesen Leuten gehabt, unter denen er fremd, denen er nur der Meisterschwimmer Europas gewesen war, die ihn für Siege, aber nicht für Niederlagen gebrauchen konnten.
Er sah selbst Koepke kaum mehr, und damit zerriß auch, das letzte Band, das ihn noch an sein früheres Leben knüpfte. Wenn er ihn gelegentlich traf, tranken sie ein Glas Bier zusammen. Dann erzählte der alte Getreue Felder, wie er "ebenfalls der Schwimmsache Valet gesagt habe", da sie ihm keinen Spaß mehr mache, seitdem Felder nicht mehr dabei sei. Er war in einen kaufmännischen und in einen Kegelklub eingetreten und spielte in beiden bereits seine alte Rolle des Lasttieres mit unverhohlener Wonne weiter.