—"Die Leistung dieses jungen Mannes erinnert uns in ihrer selbstbewußten Kraft und der idealen Schönheit ihres Stils an diejenigen des noch vor kurzem überall genannten Meisters von Europa vom Vorjahre. Unsere Leser wissen, daß wir von Franz Felder sprechen. Sie wissen auch, wie sehr wir stets gerade für diesen Schwimmer eingetreten sind, und erinnern sich, welche Hoffnungen und Wünsche wir noch auf Jahre hinaus für ihn gehegt und ausgesprochen haben. Um so schmerzlicher war—wie wohl überall—unser Bedauern und um so größer unsere Enttäuschung, diesen in Haltung und Kraft einzigen Schwimmer so jäh niedergehen und dann von einem Tage zum anderen, nach einigen äußerlich gar nichts bedeutenden Mißerfolgen, plötzlich von der Bildfläche verschwinden zu sehen: aus Gründen, die offenbar tiefer liegen, als daß wir ihnen hier öffentlich nachgehen dürften.

Es wäre sicherlich ein einziger Genuß für jeden feineren Kenner gewesen, am vergangenen Sonntag zum Beispiel ihn und Bauer zugleich an den Start gehen und die reifende Kraft des Jüngeren mit der gereiften des Meisters in einer Form wetteifern zu sehen, die bei der rohen, immer mehr eingreifenden Preisjägerei gänzlich in Vergessenheit zu geraten scheint.

Werden wir ein Schauspiel dieser Art nie mehr erleben?—Fast scheint es so. Aber wir können die Hoffnung noch nicht aufgeben, Felder eines Tages wieder an der Arbeit zu sehen, und möchten heute nur nochmals— auch im Hinblick auf manchen ungerechten Angriff, der den Meister mit zu seinem sonst rätselhaften Entschluß, sich so ganz zurückzuziehen, getrieben haben mag—betonen: wenn auch die neuerlichen Leistungen des Nachwuchses jedes Lobes würdig sind und manchen zum Nachfolger Felders geradezu prädestinieren, so scheint allen doch völlig zu fehlen, was der Persönlichkeit dieses Meisters so sehr eigen war— diese innerliche Leidenschaft und Liebe zur Sache, dieses Aufgehen in ihr mit Leib und Seele, diese unbedenkliche Hingabe der Begeisterung, die wir in seinen phänomenalen, oft über die eigene Kraft hinausgehenden Leistungen zu oft bewundert haben, als daß wir uns über sie täuschen könnten. Dadurch—nicht durch die Teilnahme an dem äußeren Ausbau des Schwimmwesens, wie er in den Klubs betrieben wird, und auch nicht durch seine Siege—hat Felder seiner geliebten Sache den größten Dienst geleistet und ihr in den Augen vieler eine höhere, gewissermaßen edlere Bedeutung gegeben, als sie bis dahin besaß. Das sollte ihm unvergessen bleiben und seine Gegner daran erinnern, daß Menschen dieser Art ihre eigenen Wege gehen und gehen müssen, weil sie nur auf ihnen ihre—oft nur von ihnen selbst geahnten oder erkannten—Ziele, erreichen können…"

Wie das Herz des Lesenden schlug!

Was er selbst sich nie klar gemacht, was er aber ahnte und dem er nachging—dieser Mann, der das geschrieben, hatte ihm Worte gegeben! —Er war der einzige, der ihn ganz verstand!

—"Menschen dieser Art gehen ihre eigenen Wege…"

Ging er nicht die seinen, war er sie nicht stets gegangen, getrieben von einer inneren Stimme, die das Rauschen und Brausen auch des lautesten Beifalls übertönt hatte?—Und wenn er sie eine Zeitlang nicht mehr vernommen, war sie es nicht gewesen, die ihn zurückgelockt hatte zu sich?—Hörte er sie nicht wieder?—Und rief sie ihn nicht, wie damals den armen, kleinen Jungen, jetzt wieder, ihn, den Meister, zu Zielen, von denen niemand wußte, auch er selbst nicht?!—

Ja, sie rief ihn wieder, und er hörte sie: rein und klar, wie nur je!—

Ein paar Tage später holte er eines Abends Koepke aus seinem
Geschäft ab. Die Ausschreibungen zu dem großen internationalen
Verbandsschwimmen waren soeben erlassen.

Felders Tag war gekommen.