An Felders Ruhe, die zudem viel mehr eine äußerliche als eine innerliche war, hatte übrigens eine gewisse seelische wie körperliche Abspannung ihren Hauptgrund. Jetzt, als alles vorüber war, merkte er erst, wie er sich in den letzten Wochen innerlich verzehrt hatte—in dem einen Wunsche.

In demselben Garten, in dem im vorigen Jahre seine
Meisterschaftserklärung für Deutschland erfolgt war, wurde ihm nun
die höchste aller Ehrungen zuteil, und unter dem achtungsvollen
Schweigen vieler Hunderte nahm er den Weltmeisterpreis entgegen…!

Die ganze warme Sommernacht hindurch dauerte wieder das Feiern um ihn herum. Er lebte ganz in diesen Stunden. Er dachte nicht zurück. Er dachte auch nicht in die Zukunft. Die Stimmen in ihm schwiegen. Zum erstenmal vielleicht in seinem Leben schwiegen sie ganz. Er hatte erreicht, nicht was er gewollt: nein, viel mehr als das. Sie mußten heute schweigen, diese Stimmen, denn sie wurden übertönt von dem einmütigen Jubel um ihn her. Die stillen Sterne leuchteten hernieder; der Atem der weichen Nacht spielte um die erhitzten Köpfe, und vom Wasser her kam die frische Kühle, die alle diese Menschen nicht müde werden ließ, zu sprechen, zu trinken, sich zu berauschen am Leben, an Freude und an der eigenen Kraft.

Und Felder trank—trank—trank—alles, was man ihm bot: Sekt, Bier und Wein, aber am süßesten schmeckte ihm der berauschende Trank des Erfolges.

Alles andere hatte er vergessen.

Selbst als er inmitten seiner wildesten Bewunderer wie berauscht endlich zum Bahnhof ging, zog auch nicht ein Erinnern in seine müden und wirren Gedanken, das ihm ein weißes Kleid, einen jungen Leib oder einen warmen Mund wachgerufen hätte.

Müde saß er in einer Coupéecke und während die anderen um ihn herum sich noch immer über den heutigen Tag ereiferten, schlief er ein; und den Sieger über seinen Siegen vergessend, dachten sie erst wieder an ihn und weckten ihn erst, als der Zug in die von der Morgendämmerung erhellte Halle des Görlizer Bahnhofs einfuhr…

Die ersten Tageszeitungen waren bereits erschienen. Man griff nach den noch feuchten Blättern und las die kurzen Zeilen, die den Namen Franz Felders, den Triumph Berlins, den Sieg Deutschlands—in dieser Stunde der Welt verkündeten. Er selbst, der Sieger, war unfähig, sie zu lesen. Die Buchstaben flimmerten und ranzten vor seinen Augen.

12

Der Glanz dieses Tages konnte selbst durch die Reise, die Felder wenige Wochen später nach England unternahm, um dort in dem gelobten Lande des Sports seine Meisterschaft Europas gegen ihre ersten bisherigen Meister zu behaupten, kaum erhöht werden.