Ein ausgezeichneter Taucher war er schon als kleiner Kerl gewesen,
und er wühlte immer noch zuweilen unter dem Wasser herum, um die
Kraft seiner Lungen zu erproben und aus reiner Lust. Aber an den
Konkurrenzen der Teller und Hechttauchen hatte er nie teilgenommen.
Sie waren ihm immer als etwas Minderwertiges vorgekommen.
Im Springen dagegen hatte er es über den glatten und schönen Kopfsprung, mit dem er stets ins Wasser ging, nicht hinausgebracht. Andere Sprünge hatte er früher wohl gekonnt und noch manchmal versucht—aber immer nur ungern, und dann war er regelmäßig so aufgeschlagen wie alle anderen, die sie nicht ständig übten. Endlich waren sie gänzlich gegen sein Schwimmtraining zurückgetreten und über ihm in Vergessenheit geraten. Er konnte keinen einzigen mehr ordentlich.
Daher hatte er sich an den Mehrkämpfen im Schwimmen, Springen und Tauchen, aus denen der als Sieger hervorgeht, der die größte Anzahl von Punkten in allen drei Arten aufweist, nie beteiligt und nie daran denken können, es zu tun. Aber nie hatte er in den letzten beiden Jahren seiner beispiellosen Triumphe ein Gefühl des Mißmuts ganz unterdrücken können, wenn er sehen mußte, wie bei den Preisverteilungen noch andere als er zu Meistern ernannt wurden, zu Meistern im Mehrkampf und Springen, und gleiche, wenn auch nie so beispiellose Ehren genossen wie er. Besonders stark war dieses Gefühl—mehr ein Gefühl der Unbefriedigung, kein Gefühl des Neides, denn kleinlich war er nicht—im letzten Jahre geworden, wo es dem Verwöhnten schwerer und schwerer wurde, mit anderen zu teilen.
Sein Ehrgeiz ließ den Gedanken nicht ruhen und schürte ihn immer von neuem: sollte es denn nicht möglich sein, auch dieses Gebiet für sich zu erobern, auf ihm gleiche oder doch ähnliche Triumphe zu erlangen wie auf seinem eigensten, und wenigstens einzelne Mehrkampfpreise an sich zu reißen?—Im Tauchen würde es ihm leicht gelingen, sich durch einfache Übung ohne große Anstrengung so lange "unter Wasser zu halten" wie die anderen; Übung und eine normale Lunge genügten hier vollkommen. Und erst die seine!—
Aber im Springen?!—Er hatte bei seiner Einseitigkeit die anderen Sports so gänzlich vernachlässigt, z. B. nie geturnt; er war kein Knabe mehr, dessen Muskeln noch weich und nachgiebig waren gegenüber allen Anforderungen, sich auszubilden,—und hier kam nicht nur Ausdauer und Übung in Betracht, sondern jene spezifische Begabung, die ihn gerade auf seinem Gebiet zu dem einzigen Schwimmer gemacht hatte.—
Die Frage war: Konnte ein erster Schwimmer überhaupt ein erster
Springer sein, und umgekehrt?
Die Erfahrung sprach dagegen. Es gab erstklassige Schwimmer, die hervorragend gute Springer waren, und umgekehrt. Die einen oder anderen waren es gewöhnlich, die sich daher die ersten Mehrkampfpreise holten, indem sie durch die eine Fertigkeit ersetzten, was ihnen an der anderen fehlte, und nur selten verscherzte sich einer von ihnen durch schlechtes Tauchen den Preis. Aber daß sich ein und derselbe auf einem Feste an zwei ersten Einzelkonkurrenzen auf verschiedenen Gebieten beteiligt hatte, das war wohl noch fast nie dagewesen und hätte jedenfalls mit der sicheren Niederlage auf dem einen der beiden Gebiete geendet. Daher fielen die Preise hierhin und dorthin, und der Klub genoß die höchste Ehre, dem es gelungen war, nicht nur erste Schwimmer, sondern auch erste Springer heranzubilden. So besaß der S.-C. B. 1879 neben dem Meisterschwimmer Felder den unübertrefflichen Springer Grafenberger.
Felder wußte dies alles ganz wohl.
Aber er kam von seinem Gedanken nicht mehr los. Es nutzte alles nichts. Er ertrug es schon nicht länger, andere neben sich als ebenbürtige Meister gleich gefeiert zu sehen—einmal, einmal mußte er das Hochgefühl ganz auskosten, allein, ganz allein unter dem Jubel des Tages dahin zu schreiten—: keinen neben, alle hinter sich…
Wenigstens mußte er versuchen, ob es ihm nicht gelang, durchzusetzen, was er plante.