Und nun ging dieser eine Reihe mehr oder minder schwieriger Sprünge durch, und jedesmal, wenn er aus dem Wasser stieg, stand Felder bereits auf dem Brett und machte den Sprung nach, einen nach dem andern. Das Erstaunen wurde immer größer und die meisten wollten gar nicht glauben, was sie sahen.

Von dem kleinen Sprungbrett ging man zu dem großen über, und alle stiegen die Treppe zu der Galerie empor. Dort stand bald der ganze Klub bis auf den letzten Mann um seine berühmten Mitglieder herum und verfolgte in atemloser Spannung Sprung auf Sprung. Und es gab nicht einen unter allen, den der Schwimmer dem Springer nicht nachgemacht hätte. Freilich dachte in dieser Stunde keiner an die Wertung der Leistungen, und nur wenige machten sich klar, wie sich die äußerlich gleichenden Sprünge der beiden doch in Sicherheit und Exaktheit himmelweit voneinander unterschieden. Man wollte jetzt nur sehen, ob Felder überhaupt imstande war, die Sprünge auszuführen, und man geriet bei jedem neuen in immer größere Aufregung, die sich bald in Lachen, Zurufen und lauten, wie leisen Bemerkungen jeder Art Luft zu machen suchte.

Felder genoß das Vorgefühl kommender Triumphe und setzte allen Fragen sein geheimnisvolles Schweigen entgegen. Aber als der Springer meinte:

—Na, dann kann ich ja nächstens an zu schwimmen fangen!—lächelte er bedeutsam. Nur Nagel äußerte wieder kein Wort. Als jedoch Felder an ihm vorbeiging und vor ihm stehen blieb, sagte er kurz:

—Du kannst sie alle. Wo du sie gelernt hast, weiß ich nicht, und es geht mich ja auch nichts an. Aber glaube nur nicht, daß du auch nur einen ordentlich kannst, wie er sein soll…—worauf Felder blaß wurde und weiterging.

Er vermochte nur noch zu erwidern:

—Das werden wir sehen!—

Seine Freude war dahin für diesen Abend und er begann seinen alten Freund und Lehrer zu hassen. Schon auf der nächsten Sitzung trat er mit seiner Forderung hervor, bei der nächsten Gelegenheit im Springen um eine bedeutende Meisterschaft gemeldet zu werden. Man hielt sie erst für Scherz; dann erhoben sich von allen Seiten Proteste. So viel hatte man schon gesehen, um zu wissen, daß ein solches Vorhaben ganz aussichtslos war. War es auch erstaunlich, was er bei seinem geheimen Training—man wußte jetzt ganz genau, wo und wie er dazu gekommen war—in so kurzer Zeit zustande gebracht hatte, so reichte das alles doch noch lange nicht aus, um mit ersten Meistern in Konkurrenz zu treten. Dazu gehörte vor allem eine jahrelange, stetige, sorgsame Ausbildung unter den Augen von Kennern—das sollte er, der Sportsmann, doch wohl am besten wissen… Von allen Seiten redete man auf ihn ein, suchte ihn zu überzeugen, aber es war alles vergebens. Man sprach zu Ohren, die überhaupt nicht mehr zuhörten.

Felder bestand hartnäckig auf seiner Forderung. Wenn er gefragt wurde, zu welcher Schwimmnummer er gemeldet werden wollte, antwortete er: zum Springen um die Meisterschaft… und je dringender die Frage wurde, um so mehr klang diese Antwort als Drohung: entweder—oder…

Man lachte nicht mehr. Dazu war die Sache zu ernst. Zuviel stand in diesem Sommer im Schwimmen auf dem Spiel: die Meisterschaft Deutschlands sollte behauptet, die größte über Europa zum zweiten Male gewonnen werden; der große Staatspreis Sachsens und der Stadtpreis Breslaus, zum dritten Male durch Felder erobert, in den endgültigen Besitz des Klubs übergehen; unzählige Anforderungen von allen Seiten nach des jungen Meisters Teilnahme an den diesjährigen Schwimmkämpfen mußten beantwortet werden—und dieser Mensch, was tat er?—