Alles, was er tun konnte, war, die erlittene Wunde so unter neuen
Lorbeeren zu verbergen, daß niemand sie mehr gewahren konnte.
Das aber wenigstens wollte er, und als er—nach einer halben Stunde— geholt wurde und er zum letzten Male an diesem Tage an den Start ging, nicht zum Springen mehr, sondern zum Hauptschwimmen über die 250 Meter, da waren die Nebel von seinen Augen gefallen, und mit seinem alten, klaren Blick sah er alles um sich her, die Freunde und die Feinde, und jetzt war er es, der lächelte.
Jetzt durfte er es allein, und wer es etwa noch wagen sollte außer ihm, dem würde er das Lachen von den Lippen vertreiben!
Nicht wie sonst, ruhig, stet und überlegen seine Bahn durchschneidend, nichts als das Ziel im Auge, nicht fair und vornehm, wie man es an ihm gewöhnt war selbst in den schwierigsten Kämpfen, sondern auf seine Gegner achtend, sie herankommen und voraufgehen lassend, sie durch die eigene Ungleichmäßigkeit störend, um sie dann zuletzt rücksichtslos, fast brutal zu schlagen, so schwamm er dieses Rennen, und als er den Jubel über seine Waghalsigkeit und Überlegenheit in seinen Ohren erklingen hörte, war er wieder ganz er selbst. Nie vorher hatte er so geschwommen, und erwußte es. Er wußte auch, daß er mit diesem Siege keinen Beifall unter seinen Freunden finden würde. Aber das war es gerade, was er wollte. Sie hatten ihn ausgelacht, das verzieh er ihnen nicht. Jetzt war ihm auch an ihrem Beifall nichts mehr gelegen.
Wie er zum letztenmal für heute sich so die Leiter emporschwang, bis zu der sich die erste Reihe der Zuschauer hinzog, da, wo die besten Plätze nahe dem Start waren, die man durch Auflegen von Leinentüchern gegen das Aufspritzen des Wassers zu schützen versucht hatte, war es ihm wieder, als stiege der Duft eines seltsamen Parfüms, den er schon einmal gespürt, zu ihm auf, und als er sich zur Seite wandte, sah er, daß der erste dieser Plätze, die er beim Hinaussteigen fast streifte, von der Dame besetzt war, die er an jenem Abend im Café und heute morgen erst wieder gesehen hatte. Für eine Sekunde begegneten sich ihre Blicke: sie hielt ihr Kleid mit der Hand zusammen, damit es nicht naß werden sollte, und lächelte leise, wie heimlich mit ihm triumphierend über seinen Sieg. Ein neuer Ausdruck schien in ihrem Blicke zu liegen, etwa wie: wir kennen uns doch, nicht wahr?—Felder war ganz verwirrt und wandte sich ab.
Als er angekleidet wieder in die Halle trat, galt sein erster Blick dem Platze, wo sie gesessen. Aber er war leer, und die ihn innegehabt, war nirgends mehr zu finden.—Was bedeutete das nun wieder?—Wie kam sie hierher?—Und warum?—Warum nur?—Es war seltsam, sehr seltsam.
Doch er hatte nicht lange Zeit, an den Vorfall zu denken. Zuviel wogte noch in ihm, und immer von neuem kehrten seine Gedanken zu dem unverhofften Verlauf des Tages zurück.
Erst der Morgen. Dann der Nachmittag. Und der Bildhauer und Dr. König fielen ihm ein, die beide nicht gekommen oder schon wieder fortgegangen waren, da sie ihm doch nicht Glück wünschen konnten.
Eines wie das andere—alles war umsonst gewesen!
Umsonst die zähe, eiserne Mühe langer Monate; umsonst die inneren, bitteren Kämpfe und alles heiße Ringen; umsonst alle Kraft und Zeit, die er an diese Sache gesetzt!