Deutlich hatte er heute die Grenze seiner Kraft erkannt, über die er sich in unbegreiflicher Verblendung so sehr täuschen konnte.

Zum ersten und zum letzten Male in seinem Leben hatte er heute öffentlich gesprungen. Nie würde er von jetzt an wieder einen Fuß auf das Sprungbrett setzen. Sein Traum war zu Ende.—Er war ganz erwacht, und er war sich ganz klar.

Aber nicht, daß er mit seinem Plan gescheitert war, sondern, daß er sich lächerlich gemacht hatte—das war es, was Felder mit immer tiefer sich einbohrender, innerlicher Wut gegen sich selbst und gegen die andern erfüllte. Er war ausgelacht worden. Er—Franz Felder!—Und er haßte sie alle, die es gewagt hatten!—

Aber er durfte jetzt nur noch den einzigen Gedanken haben, nicht zu zeigen, wie sehr er sich ärgerte. Das beste war jetzt zu tun, als habe er selbst das Ganze als einen im Grunde nur scherzhaft gemeinten Versuch betrachtet, um zu beweisen, daß es möglich sei, in ganz kurzer Zeit fast sämtliche möglichen Sprünge zu erlernen, auch ohne jahrelange Übung.

Daher ging er nicht fort, wie er es am liebsten getan, sondern blieb den ganzen Abend und die halbe Nacht unter seinen Kameraden, war so lustig, wie es ihm überhaupt möglich war, nahm seinen ersten und auf immer einzigen Mehrkampfpreis ebenso überlegen lächelnd und gleichgültig entgegen, wie die Schwimmeisterschaft für Berlin für dieses vierte Jahr, und brachte es sogar fertig, die Witze, die über ihn als Springer gemacht wurden, anzuhören, ja, auf sie einzugehen.

Aber in ihm war etwas gebrochen an diesem Tage des großen
Enttäuschungen.

Er hatte geglaubt, daß ihm, der so vieles erreicht, nun alles möglich sein müsse, woran er die Hand legte. Er hatte sich überzeugt, daß er sich schmählich getaucht—daß es nur ein Gebiet gab, auf dem er Meister war, und daß er nichts anderes zu tun hatte, als möglichst lange Meister auf ihm zu bleiben: ob es ihm nun gefiel oder nicht!

Alles andere war ihm verschlossen.

Und eine Ahnung dämmerte ihm auf, wie eng der Kreis seiner Welt war. Es gab andere, weitere Gebiete, von denen er nichts verstand, von denen er nicht einmal wußte. Ewig unerreichbar für ihn.

Wohin nun aber sollte er mit dieser ungestillten Sehnsucht seiner
Wünsche, dieser begehrlichen Kraft, die nicht zufrieden war, wie ein
Zirkuspferd im Kreise herum zu trotten?—Wohin mit ihr?!—