Es war nur erst eine Ahnung, die ihm gekommen war mit dem heutigen
Tage. Aber schon begann sie ihn zu beunruhigen.
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Alles ging wieder seinen alten Gang.
Äußerlich veränderte sich zunächst nichts im Leben des Vereins.
Die Springerei Felders betrachtete man als eine Laune, einen verrückten Einfall, wert höchstens noch eines schlechten Witzes, hätte man nicht seine unbeschreibliche Aufregung und plötzlich hervorbrechende Wut gesehen, wenn jemand ihn gelegentlich zu machen versuchte. So rührte man nicht mehr daran.
Innerlich aber war zwischen Franz Felder und seinem Klub ein Riß entstanden, den keine Aussprache heilte und der sich fast täglich mehr verschärfte.
Entstanden war er durch Felders eigenmächtige Handlungsweise. Wann war es je dagewesen, daß das Mitglied eines Klubs auf eigene Faust zu trainieren begann und daraus sogar vor seinen eigenen Klubbrüdern ein Geheimnis machte?—Wenn man das wollte, brauchte man keinem Klub anzugehören. Wäre es nicht Felder und zudem die Idee nicht gar so absurd gewesen, so würde man ja der Sache noch auf andere Weise näher getreten sein. So aber… Außerdem würde er wohl jetzt eingesehen haben, was er davon gehabt hatte!…
Man sprach mit ihm nicht mehr darüber, aber Felder fühlte wohl, wieviel an Unmut und Mißtrauen gegen ihn zurückgeblieben war.
Schlimmer aber war, daß er in den Zeitungen, die in diesen Wochen so laut den Ruhm des Künstlers, der nach ihm seinen "Springer" gebildet, verkündeten, als der "Meisterspringer von Europa" bezeichnet wurde. Es war Felders ehrgeiziger Wunsch gewesen, daß sein Name genannt werden sollte; und der Bildhauer, von Dankbarkeit gegen seinen selbstlosen und treuen Helfer getrieben, hatte alles getan, was in seinen Kräften stand, um ihn zu erfüllen. Daß dabei der Irrtum unterlaufen war, war zwar nicht seine Schuld, da er wohl wußte, daß Felder nur Schwimmer war, und da er ja selbst seinem verunglückten Debüt als Springer beigewohnt hatte; aber immerhin entschuldbar bei den Kunstschreibern, die wenig von solchen Unterschieden wußten und sich beim Beschauen der Statue wohl gedacht haben mochten, daß der, der als Springer dargestellt worden war, auch als solcher sich seinen Meisternamen erworben haben müßte.
Wer Felder kannte, wußte, daß ihm am wenigsten an diesem Irrtum irgendwelche Schuld beizumessen war. Er hätte sich lieber die Hand abhauen lassen, als einen Erfolg für sich in Anspruch zu nehmen, den er nicht voll verdient zu haben sich bewußt war.