Er war zum zweiten Winterfest des Schwimmerbundes zu einem Seitenschwimmen gemeldet. Es fiel in den Anfang des Februar. Felder hatte nicht die Absicht, zu starten; aber da er auf der Sitzung des "Hecht" wieder einmal nicht anwesend gewesen war, hatte sein Klub für ihn die Meldung erlassen, in der Überzeugung, damit seinen Wünschen— die nach möglichster Beteiligung strebten—zu entsprechen. Er war ärgerlich. Man hätte ihn doch wenigstens fragen müssen. Wann denn?— entgegnete man ihm. Man sah ihn ja so unregelmäßig. Und wenn man ihn nicht gemeldet hätte, wäre er ebenfalls böse gewesen und hätte von Zurücksetzung gesprochen.

Er zog die Meldung nicht zurück; es war ihm einerlei. Ein Sieg mehr, darauf kam es nicht an! Aber das sagte er gleich: zu der langweiligen Preisverteilung und zu dem noch langweiligeren Tanzvergnügen nachher kam er nicht. Er hatte keine Zeit am Abend; er war eingeladen.

Er war jetzt immer eingeladen, kein Mensch wußte, von wem. Aber man wagte nichts zu entgegnen und war froh, daß er keine weiteren Schwierigkeiten machte. Er erschien, wie jetzt immer, spät auf dem Fest. Er war die ganze Nacht bei ihr gewesen, und auch am Morgen wollte sie ihn nicht fortlassen. Er blieb nur zu gern. Sie frühstückten im Bett, spät, und die Stunden wurden verschleudert bis über den Mittag hinaus.

Schnell kleidete er sich aus und trat in die überfüllte Halle mit seinem hochmütigen und finsteren Lächeln auf dem Gesicht. Diese Feste hatten keinen Reiz mehr für ihn. Er fühlte weder Erwartung, noch Aufregung. Er nahm seine Mitwirkung jetzt nur als eine Pflicht, die von ihm erledigt werden mußte, da er nun einmal der Franz Felder war. Je bälder sie getan war, desto besser. Um so eher konnte er wieder bei ihr sein…

Ungeduldig wartend stand er unter seiner Mannschaft. Er hielt die Arme gekreuzt über der Brust und an seinem rechten Handgelenk glänzte herausfordernd das goldene Armband, als wolle er die Blicke aller darauf lenken. Kaum, daß er seinen Klubgenossen antwortete, wenn sie mit einer Frage zu ihm traten…. Gleichgültig glitt sein Blick über die Wasserfläche hin, wo eben ein Rennen zu Ende ging und schnaufende Gestalten die Länge des Bassins durchkreuzten.

Sonst hatte Felder nie den Augenblick erwarten können, in dem er selbst ins Wasser durfte. Heute kümmerte er sich nicht einmal mehr um seine Konkurrenten; er hatte sich kaum die Zeit genommen, ihre Namen auf dem Programm zu lesen. Wie gewöhnlich jetzt, ließ er sich Zeit während der ersten Länge. Bei der zweiten arbeitete er sich vor; bei der dritten wollte er sich dann nach den anderen umschauen.

Er war gut in der Form heute, aber nicht so frisch wie sonst, so— schien es ihm. Er nahm daher schon die zweite Länge von Anfang an mit Ernst. Bei der dritten wollte ihm der Vorsprung nicht gelingen. Irgend jemand, er wußte nicht wer, lag immer dicht neben ihm und blieb es bis ans Ende. Er konnte ihn nicht los werden, nicht mit aller Anstrengung, und die ungewöhnliche Erregung am Start brachte ihn zu der Überzeugung, daß sein Sieg diesmal sehr gefährdet worden war.

Aber es war noch mehr als das. Es war ein totes Rennen. Die Richter konnten sich nicht einigen und es blieb unentschieden.

Ein totes Rennen—das war weiter nicht schlimm. Ein totes Rennen war keine Niederlage. Aber es wurmte ihn doch, und er nahm sich vor, in nächster Zeit wieder einmal zu trainieren. "Sie" erleichterte ihm seinen Vorsatz, da sie ihm jetzt noch öfter absagte, als bisher; so übte Felder denn wieder fast jeden Abend, teils für sich allein, teils auch unbekümmert an den Übungsabenden des "Hecht", und er fühlte sich Herr seiner Kraft, wie immer. Sich die Zeit, wie früher, nehmen zu lassen, verschmähte er.

Er freute sich besonders auf das nächste Meeting: auf dem Feste des "Poseidon" wollte er seinem alten Gegner im Gastschwimmen über die 200 Meter einmal wieder gegenüber treten und ihm—was er bisher gern vermieden—auf dem Fest eines Brudervereins unter den Augen der Seinen den Lorbeer entreißen.