"Zerstreuung—aber wie?—Was gibt es hier für Zerstreuung?"

"Reise."

"Reisen—ich kann ja nicht, er hat ja nie Zeit."

"Wer?"

"Nun, er, mein Mann."

"Daran dachte ich nicht. Ich meinte natürlich, du solltest allein reisen."

"Allein?!" wiederholte sie mit dem Ausdruck des Erstaunens, des
Erschreckens. "Wie kann eine verheiratete Frau allein, ohne ihren
Mann, reisen?"

"Weshalb kann denn eine verheiratete Frau nicht allein, ohne ihren
Mann, reisen?" Unwillkürlich brauchte er dieselben Worte wie sie.
Aber es geschah ganz ohne spottende Absicht.

Er wartete auf ihre Antwort. Sie wich ihm aus.

"Ja, ich weiß, daß du so seltsame Ansichten über die Ehe hast. Wie heißt doch dein Buch darüber?—Eine Freundin—die Frau von Redlich, du kennst sie nicht, sie sind erst drei Jahre hier, der Mann ist Hauptmann—ja, sie hat es mir gesagt. Sie wollte mir auch das Buch leihen, sie hat es mir ganz fest versprochen, aber sie hat es mir immer noch nicht gebracht, denn sie muß erst den Professor Hastrich vom Gymnasium fragen, dem gehört es . . ."