"Es ist ewig nicht wahr—"
An dem Kreuzwege blieb sie stehen. Laut sagte sie ihm:
"Ich gehe jetzt nach Hause. Ich komme schneller dahin, wenn ich allein gehe.—Um zehn Uhr bin ich auf dem Bahnhofe."
Sie gab ihm nicht die Hand, sie grüßte ihn nur mit dem Neigen ihrer
Stirn.
Er verstand sie. Er hatte den Hut abgenommen und er verbeugte sich, als sie ging. Er verstand sie: es war nicht Feigheit, daß sie nicht in den Gassen der Stadt mit ihm zusammen gesehen sein wollte. Nur jetzt wollte sie unbehelligt bleiben von den frechen Blicken der Neugier, deren Worte sie von nun an nicht mehr berühren, deren Taten sie von nun an nicht mehr hindern konnten . . .
Aber er konnte sich nicht enthalten, ihr nachzusehen. Nur eine ging so: sie. Ohne das Wiegen der Hüften, das Schwanken der Schultern, ging sie stets mit denselben ruhigen, auch in der Eile, wie jetzt, noch gleichmäßigen, festen, kühnen Schritten die mehr als alles die Gesundheit ihres Wesens zeichneten.
Die steile Straße abwärts führten sie diese Schritte; dann verbarg ihren Kopf der hängende Zweig eines Baumes und gleich darauf ein Haus ihre Gestalt, die der dämmernde Schatten des Abend bereits verwischte.
So lange seine Augen sie noch faßten, sah er ihr nach. Nicht eher ließ er los, was er leibhaftig mit den Sinnen zu fühlen noch vermochte.
Auch durch die Dunkelheit der Entfernung hin versuchte er ihr noch zu folgen.
Aber er war bereits lange allein.