Vorstehender Kontrakt der Firma Ockelmann und Konsorten, zuerst veröffentlicht im Hamb. Correspondent vom 17. März 1907, ist genau nach der Urschrift abgedruckt. Er findet sich in einem Kleinquart-Schreibheft von 16 Seiten, wovon die ersten zwei unbeschrieben. Die meisten Namen sind durchstrichen, mit der Beifügung „thodt“.

„Matten“ gleich Genossen (Maat).

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Anlage 2
Abdruck des Folioblattes:
Hamburger Quartiersleute

Ein Stück echt hamburgischen Gewerbes, das nicht nur seinen uralten Charakter, seine ererbten Sitten, seine sprüchwörtlich gewordene Ehrlichkeit und Treue, sondern auch seine äußere Erscheinung, der wechselnden Mode zum Trotz, bis auf den heutigen Tag beibehalten hat, bilden die Hamburger Quartiersleute.

In schwarzer Tuchjacke mit massiven silbernen Knöpfen und rindsledernem Schurzfell repräsentieren sie immer noch den althamburgischen, wohlbewährten und zuverlässigen Arbeiter, dem der Kaufmann sein Hab und Gut, soweit dasselbe in Waren und Kaufmannsgütern besteht, unbesorgt anvertraut, in der unzweifelhaften Überzeugung, daß sein Interesse und sein Vorteil, in welcher Beziehung es auch immer sei, in gute und sachkundige Hände niedergelegt ist.

Die Quartiersleute verdanken ihren Namen dem Umstande, daß gewöhnlich vier derselben ein Konsortium bilden, das gemeinschaftlich eine kleinere oder größere Zahl von Kaufleuten zur festen Kundschaft hat, deren Speicherarbeiten sie selbst und erforderlichen Falls unter Beihilfe von Arbeitsleuten, den sogenannten Eckenstehern, verrichten.

Der Kaufmann, der eine Partie oder eine Ladung irgend welcher Güter empfängt, überläßt es seinen Quartiersleuten, dieselben von der Schute aus, vom Lastwagen, von der Eisenbahn, oder mit welchem Transportmittel sie sonst geliefert werden, ab und in seinen Speicher aufzunehmen. Doch nicht allein der Transport, die Lagerung und Ablieferung liegt dem Quartiersmann ob, beim Empfang hat er sich von der Richtigkeit der Marken und Nummern der Colli zu Überzeugen, das Gewicht derselben festzustellen, den Zustand der Emballage und den Inhalt jedes einzelnen Gegenstandes zu prüfen und eventuell stattgefundene Ramponagen und Beschädigungen zu konstatieren. Über alle diese einzelnen Punkte hat er ein genaues, gewissenhaft aufgenommenes Register zu führen und dem betreffenden Kaufmann aufzugeben. Bei Einkäufen und Empfangnahme von Waren muß er Proben beurteilen und mit der Ware vergleichen, bei der Ablieferung hat er ebenso genau und gewissenhaft den Abgang zu registrieren. Umpacken, Sortieren der beschädigten Teile von den guten sind alles ihm obliegende Aufgaben; in den Speichern und Warenlägern überhaupt ist er die rechte Hand des Kaufherrn, der, auf seine Zuverlässigkeit und Fachkenntnis bauend, ihn in allen einschlägigen Angelegenheiten schalten und walten läßt, wie er es am angemessensten findet.

Der Quartiersmannsdienst ist in den weitaus meisten Fällen ein einträglicher und wird es auch noch lange bleiben, weil, wenn auch neuere Unternehmungen für billige Preise arbeiten, die Kaufmannschaft nicht wegen einer Ersparung am Lohne weniger fachkundigen und vertrauenswerten Händen die von den Quartiersleuten und ihren Arbeitern vollführten Arbeiten überlassen wird. Ein Quartiersmannsdienst ist ein wertvoller Besitz, der sich vom Vater auf den Sohn, oder auf die Familie vererbt, die denselben, wenn sie ihn nicht durch einen ihrer Angehörigen fortführen kann oder will, oftmals für eine beträchtliche Summe, die die Höhe von Tausenden Marken erreicht, einem Dritten überläßt, der dann in alle Rechte des früheren Besitzers eintritt, wozu aber die Zustimmung der übrigen Teilhaber des Quartiers erforderlich ist, da ihre gemeinsame Ehre und ihr gemeinschaftliches Interesse bei der Gewinnung eines ebenso tüchtigen als ehrenwerten neuen Konsorten in Frage kommt.

Viele dieser Leute haben sich im Laufe der Zeit ein Vermögen erworben, das sie wohl befähigen würde, in glänzender Stellung ein bequemes Leben zu führen, was jedoch sehr wenige benutzen, da ein echter ergrauter Quartiersmann viel zu sehr an rastlose Tätigkeit und den Umgang mit dem Arbeiterstande, dem er entstammt und dem er lange Jahre seines Lebens angehört hat, gewöhnt ist, um sich in seinen alten Tagen auf die faule Bärenhaut zu legen.