»Solange sie in Liebe und Verehrung an Ihnen hängt, sicher nicht. Ach, wenn die Mütter doch bedenken wollten, welche erzieherische Wirkung ein gutes Vorbild bei der jungen Generation hat.«

Gehring sah nachdenklich auf die beiden Frauen.

Mutter!

Lotte seine Frau und Mutter seiner Kinder! Sie, die Künstlerin — Mutter! Und jetzt kam es ihm zum Bewußtsein, daß sie einen Beruf hatte, einen Beruf, den sie liebte, der sie ausfüllte. Wem würde sie gehören? Ihm oder ihrer Kunst. Ging nicht eines auf Kosten des anderen?

Er suchte ihre Augen. Und in den Augen lag ihre Seele. Eine Woge von Liebe und Verlangen schoß ihm entgegen, daß ihm war, als müsse er in dieser Flut sanft versinken. — —

Eine große Stille lag über dem Raum.

Sie saßen schweigend beisammen und hingen ihren Gedanken nach.

Und in diese Stille plötzlich ein lauter, scharfer Ton.

Thea Westphal stand in der Tür.

Ebba war aufgefahren. Hatte sie denn die Macht, Menschen, an die sie intensiv dachte, herbeizuziehen?