»Die Menschen müssen erwachen. Sie müssen den Abgrund sehen, dem sie entgegensteuern. Große Ereignisse müssen sie aufrütteln.«
»Ja, die Menschheit befindet sich auf einer schiefen Ebene, von der nur ein großes Naturereignis sie ablenken kann,« sagte Lotte.
»Ich denke nicht an ein Naturereignis. Nein, Schmerz und Leid, Elend und Grauen, kann nur der Mensch dem Menschen bereiten. Die Menschheit muß zur Tiefe des Gemüts gelangen, das kann sie nur durch Wunden, die der Mensch dem Menschen schlägt.«
Ebba schauerte zusammen. »Ein Wüten von Mensch zu Mensch? Auf eine so niedere Stufe wollen Sie die Menschheit stellen? Uns, die zivilisierte Welt?«
»Zivilisation ist etwas Anerzogenes. Sie kann hinweggespült werden. Ein Teil Bestie steckt in jedem Menschen.«
»Man könnte wirklich vor sich selbst schaudern, wenn man Sie beide hört.«
Lotte lachte. »Die Bestie wird nur gefährlich, wenn sie gereizt wird. Lassen wir sie in Frieden ruhen und sprechen wir von anderen Dingen. Wie geht es Inge, Ihrem Schützling?«
»Ich habe viel Freude an ihr. Das Mädel hat Herz und Gemüt, und ich hoffe, daß sie auf dem jetzigen Wege bleiben und vorwärtsschreiten wird.«
»Hüten Sie sie nur vor dem Einfluß der — — anderen jungen Mädchen, Ebba.«
»Ich glaube, jetzt ist nichts mehr zu fürchten.«