»Und wenn ich nun aus Berechnung ja sagte? Sie sind reich, haben Einfluß —«
»Sie würden mich überglücklich machen.«
Sie sieht ihn spöttisch an. »Besitz ergreifen würden Sie! Nein, ich danke für einen goldenen Käfig, ich brauche meine Freiheit.«
* *
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Ebba saß auf ihrem Fensterplatz im Erker. Das Fenster hatte sie geöffnet, und eine warme, laue Luft strömte herein. Sonnenschein durchflutete die Straße. Es schien, als wollten die letzten Märztage den Frühling bringen.
Sie konnte sich nicht freuen des Sonnenscheins, es lag etwas in der Luft, was sie belastete.
Vor ihre Seele traten die beiden Menschen, die sie lieb hatte.
Lukas! Inge!
Lukas war nicht wiedergekommen, seit jener verhängnisvollen Stunde, in der er ihr seine Schuld bekannt. Schämte er sich? Reute ihn seine Offenheit? Wohl hatten sie sich ein paarmal getroffen, aber unter Menschen, wo sie keine Gelegenheit zu einem herzlichen Wort fand. Ob er sich mit Thea ausgesprochen? Ihre Schwägerin war lustig, oberflächlich und genußsüchtig wie stets. Sie streute mit vollen Händen das Geld zum Fenster hinaus. Wozu das große Fest? Warum ließ er sie noch immer gewähren?
Und Inge? Das Kind machte ihr Freude. Mit der ganzen Gewalt ihrer jungen fünfzehnjährigen Seele hatte sie sich an sie geklammert. Nur zu ernst war sie geworden. Brach auch oft der alte stürmende Übermut durch, so hatte sie doch meist schwermütige Tage. Dann seufzte sie und meinte, das Leben sei doch mehr ernst als heiter, und sie könne gar nicht begreifen, wie man so in den Tag hineinleben könne, wie Mama. Papa sei jetzt oft still und traurig. Oft bleibe er ruhig zu Hause sitzen und laufe gar nicht in Eile davon wie früher. Dann wollte er, daß sie bei ihm sitze, und ihm erzähle. Aber etwas bedrücke ihn. Sie hatte es wohl gemerkt. ›Ach, Tante Ebba, Papa tut mir eigentlich schrecklich leid, kannst du ihn denn nicht fragen, ob wir ihm helfen können?‹