Ebba vermochte sich nicht zu rühren. Starr vor Schrecken starrte sie auf das junge Ding zu ihren Füßen. Inge war vor ihr niedergesunken, warf den Kopf auf ihren Schoß und weinte herzzerbrechend.
»Es ist schrecklich, Tante, denn ich bin schuld, ich habe es gewünscht, und nun ist es so gekommen. Ich dachte, es ist gut für Papa, und nun leidet er so!«
»So sage doch nur, was ist geschehen?«
»Sie ist fort, heut in der Früh. Als Papa nach Hause kam, lag der Brief auf seinem Schreibtisch. — Und sie kommt nicht wieder, hat sie geschrieben, er braucht gar nicht darum zu bitten — sie braucht viel Geld — Luxus ist ihr Lebensfreude — — Papa hat es halblaut gelesen und immer wieder gelesen und wußte nicht, daß ich neben ihm stand — und dann hat er so schrecklich gestöhnt und ist auf den Stuhl gesunken. — Ich weiß nicht, was noch drin stand — er stöhnte nur immer: ›Auch das noch, auch das noch!‹« — — —
Und nun stand Ebba vor dem gebrochenen Mann, der in Selbstanklagen sich erging.
»Nur auf Gelderwerb ging ich aus und vergaß darüber die Pflichten, die ich meiner Frau, meinem Kinde, schuldig bin. Statt sie vor den Gefährnissen, den Verführungen, die allerorten auf ein junges, schönes Weib lauern, zu schützen, ließ ich sie gehen — unbeaufsichtigt habe ich sie den Gefahren ausgesetzt. Ebba, sie war leichtsinnig, genußsüchtig, aber nicht schlecht! Mein Gott, die arme Inge! Inge — wo ist Inge? Hast du sie gesprochen?«
Also durchgebrannt! Richtig, auf und davon!
»›Und damit du nicht auf den Gedanken kommst, mich zurückholen zu wollen, ich gehe nicht allein — — deine Tür muß mir verschlossen bleiben‹ — — so hat sie geschrieben, Ebba. Und kein Wort über ihre Tochter.«
»Sie ist ein schlechtes, ehrvergessenes Weib, Lukas,« sagte Ebba hart, »streiche sie aus deinem Herzen und lebe für dein Kind.«
Da sah er sie an und seufzte: »Meinst du, daß ich an dem Kinde nachholen kann, was ich versäumt habe?«