»Das kannst du, Lukas, wenn du ernstlich den Willen hast.«
Da reichte er ihr beide Hände und sprach: »Und du wirst mir helfen?«
»Das will ich.«
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Vor ihrem vollendeten Werk stand Lotte und wartete auf Gehring. Es war das erste Mal, daß er das Atelier betrat und daß er ihr Werk sehen würde.
Sie hatte ihm wohl erzählt, daß sie beim Schaffen einer großen Arbeit sei, und daß sie viel davon erwarte. Aber nicht hatte sie ihm gesagt, was ihre Absicht und was diese Arbeit für sie bedeutete. Frei und unbeeinflußt wollte sie die Wirkung dieses Werkes auf ihn erproben. —
Und er stand und schaute. Sah und schwieg. Und stand erschüttert.
Aus einem granitenen Felsenblock ragte ein Ungeheuer. Körper und Kopf waren eine einzige Fratze, umgeben von Hunderten von Fangarmen. Der Ausdruck dieses Hauptes machte das Blut erstarren. Gier, Lüsternheit und Mordlust thronten auf diesem Antlitz. Der Ausdruck dieser Leidenschaften, dieses menschlich scheinenden Hauptes, machten es zum Tier. Die Fangarme schienen zu leben, sich auszustrecken in unersättlicher, nie endenwollender Gier, und über dem allen war ausgegossen ein Ausdruck des Hohnes, als wollte dieses Ungeheuer sich selbst verspotten ob seiner Unmenschlichkeit.
Darunter stand in großen Lettern:
— Der Mensch —