Ebba lächelte schmerzlich und legte ihre Hand auf Lottes Schulter. »Sehen nicht fast alle Menschen ihre Hoffnungen sterben? Was habe ich zu Grabe getragen, was mein Bruder? Noch viele könnte ich Ihnen nennen.«

Lotte wehrte ab. »Ich weiß — ich weiß. Ich stand in diesen Tagen außerhalb aller Vernunft. — Aber ich kehre schon wieder zurück. Wie gut Sie sind, Ebba. Und wie Sie Geduld mit mir haben. Ist es nicht sonderbar? Alles kommt mit seinen Schmerzen zu Ihnen gelaufen und bittet: ›Hilf mir tragen!‹ Und Sie gütige, liebe Frau, sind bereit dazu. In meinem nächsten Werk will ich Sie als leibhaftige Nächstenliebe verherrlichen. Auf einem Felsen sollen Sie thronen, Ebba — einsam — Ihr zuckendes Herz in den Händen — und zu Ihren Füßen die leidende Menschheit mit erhobenen Händen — hilf — gib — tröste — und Sie geben Ihr Herz und helfen — trösten, mildern die Leiden — und darunter soll stehen:

Wie der Mensch sein soll.« —

»Nein, Lotte, darunter soll stehen: — Der Mensch. — Im Gegensatz zu dem anderen Menschen, den Sie geschaffen. Glauben Sie an das Gute im Menschen, und Sie werden gute Menschen finden.«

»Gute Menschen! Gut ist nicht gütig. Gütig sein, bedingt Nächstenliebe. Ich bin vielleicht ein guter Mensch, aber ich bin kein gütiger Mensch. Glauben Sie, daß ich Nächstenliebe empfinde? Sie glauben es? Nein, Ebba, da täuschen Sie sich. Ich ärgere mich viel zu sehr über die Menschheit, um sie lieben zu können.«

»Ihr Ärger beweist ja gerade, daß Sie die Menschen lieben.«

»Ich liebe nur Sie, Ebba, und ich möchte, daß Sie mir stets Ihre Freundschaft bewahren.« — — —


Morgen wird es von ihr gehen, ihr Werk, hinaus in die Werkstatt — dann wird sie ganz einsam sein — einsam und allein.

Und ihre Kunst? War sie einsam, solange sie die hatte? War es nicht immer so gewesen?