»Ich wollte Ihr Werk noch einmal sehen, hier sehen, wo es geschaffen, denn ich weiß, daß es morgen von Ihnen geht, das ist immer ein großer Moment für den Künstler. Und ich wollte auch Sie noch einmal sehen, ehe ich reise, Lotte. Ich fahre morgen nach München.«
»München! Ich wollte, ich könnte mit.«
»So kommen Sie, werfen Sie alles hinter sich und kommen Sie mit. Oder« — er sah sie durchdringend an. »Lotte,« sagte er leidenschaftlich, »Sie sind frei —«
»Frei!« — sagte sie spöttisch.
»Nun wohl — machen Sie sich auch innerlich frei!«
Er sah in ihre bleichen Züge, und ein heißes, wildes Begehren überkam ihn.
»Lotte, ich liebe dich! Laß dich umhüllen von meiner Leidenschaft, komm mit mir!«
Er umschlang sie, bedeckte ihre Augen, ihren Mund mit Küssen.
Sie stand reglos, ohne Gedanken im betäubten Hirn, und dann kam ein Schmerzgefühl über sie, das zerrte und riß in ihr: wie arm, wie arm bist du doch! Liebe — Muttergefühl — Weibesschicksal, alles in weite, weite Fernen gerückt. Und dann wieder: nein, die Liebe ist nicht der Zweck des Lebens der Frau. Der Zweck, ihre Erfüllung, ist das Kind.
Und da ist ihr, als ob sie sich klammern müsse an diesen einen mit Leidenschaft und wilder Verzweiflung. Sie schlingt ihre Arme um seinen Nacken und küßt ihn mit wilden, wahnsinnigen Lippen. Eine bebende, hungernde Erwartung ist in ihr. Ihr unerlöstes Ich bettelt um Erfüllung ihres Daseins.