»Sicherlich. Ich würde keine Frau halten, die von mir strebt. Wozu?«
Sie waren am Steinplatz angekommen und bogen in die Uhlandstraße ein. Vor der Tür ihrer Pension verabschiedete sie sich. Er ging den Weg, den sie gekommen, zurück. Und er dachte an den Abend, an dem er sie zum ersten Male nach Hause begleitet hatte. Wie stolz und unnahbar sie gewesen, und wie sie ihn gereizt durch ihre Kälte. Ihm, der gewöhnt war, zu siegen, ihm wurde hier ein Halt geboten. Und wieder stieg das Begehren heiß in ihm empor: du mußt sie bezwingen, du mußt sie erkämpfen, diese Lippen in heißem Kuß entflammen, diesen Leib bebend an dich pressen.
Sie spielte mit ihm. Nein, er ließ nicht mit sich spielen. Sein mußte sie werden. — —
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Winkelmann hatte sein Versprechen erfüllt. Er hatte für sie gearbeitet. Der Saal war dreiviertel gefüllt von einem Publikum, das seine Billetts bezahlt hatte! Etwas Unerhörtes für eine junge Anfängerin.
Und als sie stand, umrauscht vom Jubel ihrer Anhänger, ihrer Freunde, die, hingerissen von ihrer Schönheit, immer von neuem Beifall klatschten, als man ihr Blumenspenden aufs Podium reichte, da fühlte sie sich als große, gefeierte Künstlerin.
Und als sie nach dem Konzert bei einer Feier mit ihren Freunden und Bekannten beisammen saß und alle ihr Bewunderung zollten, da fühlte sie sich in einem Siegestaumel, da sah sie ihre Zukunft gesichert.
Strahlend gab sie am nächsten Tage eine Depesche an ihren Vater auf: »Großer Beifall. Unkosten gedeckt.«
Und als zwei Tage vergangen, da wurde aus der großen, gefeierten Künstlerin eine bescheidene Anfängerin. ›Stimme und Vortragstalent wohl vorhanden, aber noch viel Studium nötig. Für eine junge Anfängerin eine ganz respektable Leistung. Aber weiterarbeiten, sich bewußt sein, daß man Anfängerin ist, trotz des gezollten Beifalls der guten Freunde.‹
Und dann, dann wurde sie ganz klein. ›Mehr wohl die körperlichen Vorzüge, die entzückende, moderne, grüne Toilette, haben das Publikum veranlaßt, dieser jungen Anfängerin einen Beifall zu zollen, der ihrem Vortrag nicht entsprach.‹ — —