Also arbeiten — studieren — weiter. Noch lange nicht am Ziel!

Sie biß die Zähne zusammen und stürzte sich in ihr Studium. Ihr Lehrer war zufrieden gewesen. ›Was wollen Sie denn noch mehr?‹ hatte er gesagt. ›Sie sind doch eine Anfängerin. Stimme und Vortrag hat man gelten lassen, darauf bauen Sie auf. Dachten Sie denn, mit dem einen Konzert würden Sie erreichen, was andere in zwanzig, dreißig kaum erreichen? Und das wollte ich Ihnen auch sagen, allzuviel Beifall der Freunde schadet nur, wenigstens bei der Kritik. So — und nun arbeiten Sie fleißig weiter, und im Frühjahr geben Sie das zweite Konzert.‹ —

Und dann war einer gekommen, der hatte ihr ein Anerbieten gemacht. ›Ich will Sie berühmt machen. In einem Jahre sind Sie berühmt, ich garantiere Ihnen dafür. Sie müssen umsatteln. Sie sollen keine ernsthafte Konzertsängerin werden. Chansons sollen Sie singen. Fein pointierte, ein wenig pikante Chansons. Sie sind eine königliche Erscheinung — glänzend, ausgezeichnet würden Sie wirken — wir würden ein Geschäft machen — Geld verdienen — viel Geld! Sagen Sie ja und Sie sind in einem Jahre berühmt und haben ein glänzendes Einkommen.‹

Sie hatte ihm die Türe gewiesen.

Sie wußte wohl, daß er dieses Anerbieten nicht ihrer Stimme, sondern nur ihrem Körper gemacht hatte.

›Sie werden sich bedenken‹, hatte er gesagt. ›Hier haben Sie meine Adresse, Sie brauchen mich nur zu rufen, ich bin noch immer bereit.‹

Geld, viel Geld!

Es lag ihr im Ohr.

Berühmt! Berühmt im Varieté!

Verächtlich lachte sie auf. — — —