Und dann — dann war das Schreckliche gekommen. Das unglückliche Telegramm: Vater Schlaganfall, komme sofort. — — —
Voller Entsetzen war Gerda aus dem Elternhause geflohen.
Was sollte nun werden?
Unmögliches hatte man von ihr verlangt, hatte man ihr zugemutet.
Ihre Kunst sollte sie aufgeben? Sie sollte sich einsperren lassen in den Alltag?
Wie hatte die Mutter zu ihr gesprochen?
›Es ist eine brotlose Kunst, Jahre können vergehen, ehe du dir deinen Unterhalt damit erwerben kannst. Und selbst, wenn du mir die Garantie geben könntest, auch nur ein Jahr noch meiner Hilfe zu benötigen, so kann ich selbst dieses eine Jahr dir nicht gewähren, denn ich habe nichts als meine Pension. Der letzte Rest unseres kleinen Vermögens ist draufgegangen für dein Studium. Du hast es durchgesetzt beim Vater, dir gegenüber ist er ja immer schwach gewesen. Es bleibt dir nichts anderes übrig, du mußt hier mit unterkriechen. Du kannst dich der Wirtschaft annehmen, dich der Erziehung deiner beiden Geschwister widmen. Etwas anderes kann ich dir nicht bieten. Was willst du auch? Ich sollte meinen, du hast keinen Grund, unzufrieden zu sein, du weißt, ich war nie einverstanden mit deiner Kunst, gegen meinen Willen hast du es beim Vater durchgesetzt. Ein junges Mädchen unserer Kreise gehört nicht an die Öffentlichkeit.‹ — —
Den Vater hatte sie nicht mehr lebend angetroffen. Er war gestorben, ohne seine Lieblingstochter noch einmal ans Herz gedrückt zu haben.
»Vater, lieber Vater!« zuckten ihre Lippen, und langsam rannen die Tränen über ihre bleichen Wangen.