Was sollte nun werden?

Eingesperrt in den Kreis der Familie?

Hatte sie nicht eben angefangen, ihren vorbestimmten Weg zu gehen? Sie, die bestimmt war, durch ihre Kunst, durch ihre Schönheit, zu herrschen, sollte wieder untertauchen in die vergangene Welt? In eine Welt, in der ihr vielleicht die Versorgung in Gestalt eines Gatten winkte? Eheglück! Kindersegen! Häusliche Sorgen! Ihr schauderte. Nein! Sie hatte, umrauscht vom Beifall der Masse, auf dem Podium gestanden, sie hatte den Rausch des Künstlers, der beherrscht, in seinen Bann zwingt, kennengelernt — sie konnte nicht mehr zurück.

Sie mußte den einmal betretenen Weg gehen — bis zum Ziele gehen.

Geld! Wovon sollte sie leben? Die teuren Stunden bezahlen?

Ein Angstgefühl preßte ihr die Kehle zusammen, und würgend stiegen ihr die Tränen empor.

»Vater, lieber Vater, du hättest Rat geschafft! Nur ein einziges Jahr noch — und es wäre erreicht!«

Sie preßte ihre schlanken Hände an die schmerzende Stirn. Was tun? Zunächst die teure Pension verlassen. Versuchen, durch Stundengeben Geld zu verdienen.

Lächerlich! Auch nicht den vierten Teil dessen, was sie gebrauchte, um ihren Unterhalt und die Stunden zu bezahlen, würde sie verdienen können. Ja, wäre sie berühmt, anerkannte Künstlerin! In Scharen kämen die Schüler und zahlten jeden Preis. Aber so.

Dreihundert Mark — das war ihr ganzer Reichtum. Mit unsäglichen Schwierigkeiten hatte sie die Summe von ihrer Mutter erlangt, um noch einmal nach Berlin zurückkehren zu können, um — wie sie gebeten — in Ruhe mit sich zu Rate zu gehen.