Sie sagt es bewegungslos. Ruhig und beherrscht sind ihre Züge. Die blasse Gesichtsfarbe erscheint durch das schwarze Kreppkleid noch bleicher, noch durchsichtiger. Aus den rötlichen Haaren scheinen Funken aufzusprühen, sie leuchten im dämmrigen Licht der hereinbrechenden Abendschatten.

Er sieht sie erstaunt an. »Aufgeben — habe ich recht verstanden? Sie wollen der Kunst entsagen? Freiwillig entsagen? Das ist unmöglich! Wer oder was sollte Sie dazu zwingen?«

»Die Verhältnisse.«

Das, worüber sie Tag und Nacht nachgrübelte, was unaufhörlich ihre Gedanken beschäftigte, war willenlos ihren Lippen entflohen.

Er beginnt zu verstehen und schweigt.

Stumm und bleich, hoch aufgerichtet, sitzt sie ihm gegenüber. Unnahbare Kühle weht ihn an. Er muß sie durchdringen. Jetzt gab es einen Weg.

»Wenn zwei Augen sich schließen, tritt oft ein Umschwung der Verhältnisse ein, ich weiß das. Ihr Studium kostet Geld — eine kurze Zeit noch — dann wird Ihnen zurückfließen, was Sie jetzt anwenden. Sie müssen unbeschränkt über eine größere Summe verfügen können, um schnell vorwärts zu kommen, Sparen hilft Ihnen nicht zum Ziel. Sie müssen auftreten können, kleinliche Verhältnisse sind Ihnen hinderlich — gnädiges Fräulein« — er sieht ihr fest und ernst in die Augen — »gestatten Sie, daß ich auf der Deutschen Bank zehntausend Mark auf Ihren Namen niederlege, zu Ihrer freien Verfügung — nein, fahren Sie nicht auf, hören Sie mich bitte ruhig zu Ende. Es ist dies nur eine Summe, welche ich Ihnen vorstrecke, Sie können Sie mir mit Zinsen zurückzahlen, ich schlage Ihnen nur ein Geschäft vor. Es ist für mich eine Kapitalsanlage, und eine gute, wenn ich Sie dadurch der Kunst erhalte. Sie dürfen der Kunst nicht entsagen um kleinlicher Geldsorgen willen.«

Gerda, welche bei seinen Worten aufgefahren war, hat sich beherrscht. Was sie seit Tagen gedacht, hatte er ausgesprochen — ›kleinliche Verhältnisse sind Ihnen hinderlich‹ — Nichts würde sie erreichen, wenn sie untertauchen wollte, gar nichts. Es galt, in der Gesellschaft eine Rolle zu spielen, sich eine Schar von Anhängern zu sichern. Dies waren die Stufen, die hinaufführten zur Höhe des Ruhms. Ihre Wangen sind leicht gerötet, durchdringend sieht sie ihn an und sagt mit eisiger Kälte: »Sie wollen mir diese Summe leihen, gegen Zinsen leihen und — ohne jeden Hintergedanken?«

»Ich sagte schon, ich schlage Ihnen ein Geschäft vor, weiter nichts.«

»Bei einem Geschäft könnten Sie auch meinen, mich mitzukaufen. Ich möchte die ausdrückliche Erklärung von Ihnen hören, daß Sie meine Person ganz außer acht lassen, daß Sie einzig und allein der Kunst halber —«