»Nur der Kunst halber, Fräulein von Wangenheim, die Versicherung kann ich Ihnen geben.«

»Nun wohl, ich nehme an. Sie bekommen Ihr Geld zurück, nebst 5 Prozent Zinsen. Die Zeit kann ich Ihnen allerdings nicht bestimmen —«

»Das ist auch nicht notwendig. Ich bin glücklich, Ihnen helfen zu dürfen und Sie der Kunst zu erhalten.« —


Gerda studierte mit Feuereifer, sie bereitete ihr zweites Konzert vor, welches im Februar stattfinden sollte. Ihrer Mutter hatte sie geschrieben, daß sie nicht nach Haus zurückkehren werde, denn sie könne ihre Kunst nicht aufgeben. Sie sehe ein, daß die Eltern ihretwegen Opfer gebracht hätten, und eben deswegen müsse sie weiterarbeiten, um dereinst zurückerstatten zu können. Sie werde versuchen, vorwärts zu kommen und durch Stundengeben Geld zu verdienen.

Darauf hatte die Mutter geantwortet, sie könne sie natürlich nicht halten. Wenn es ihr lockender erscheine, sich kümmerlich ihr Brot zu verdienen, statt in wohlgeordnetem Haushalt die Tochter des Hauses zu sein, mit der Aussicht auf eine gute Heirat, so solle sie nur bleiben, wo sie sei, aber — was sie dem Namen ihres Vaters schuldig sei — das solle sie niemals vergessen.

So war denn auch das geordnet, und sie war frei. — — Abgesehen von einigen kleinen Teegesellschaften, die sie der Beziehungen halber besuchte, lebte sie ihrer Trauer wegen zurückgezogen. In der Pension war sie wohnen geblieben, da ja der Grund des Sparenmüssens wegfiel.

Seit jenem Tag, da sie das Anerbieten Winkelmanns angenommen, waren drei Wochen vergangen, und sie hatte ihn nicht wiedergesehen, dessen war sie froh.

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Winkelmann hatte sich absichtlich von Gerda ferngehalten. Tag und Nacht grübelte er, wie er sie gewinnen könne. Als er ihr das Geld angeboten, hatte er gemeint, sich ihr näher zu bringen. Aber als sie so ohne Umstände, kühl und sachlich, sein Anerbieten angenommen, wußte er auch, dies war kein Weg, der zu ihr führte. Er, der gewöhnt war, die Frauen zu beherrschen, fühlte sich hier beherrscht. Nicht durch Launen, nicht durch Liebe, nein, durch grenzenlose Kälte. Es war keine Kälte, die nur ihm galt, es war eine Kälte, überhaupt, die von ihr ausging. Viele Frauen hatte er besessen, junge, unberührte Mädchen, reife Frauen hatte er sein nennen können, bei allen hatte er verstanden, den Funken zur Flamme anzufachen, nur bei dieser war seine Mühe vergebens. Und doch — er mußte, mußte sie in seine Arme zwingen.