Er schloß die Augen. Sein Blut drängte zum Gehirn. Da tauchten gleichsam aus duftigen Nebelschleiern ihre bleichen Züge auf, unter den langen, dunklen, sich langsam hebenden Wimpern, drang der Blick ihrer kühlen, grauen Augen in sein Herz. Aus ihren duftenden Haaren sprühten und knisterten Funken, die ihn in Flammen setzten.

In diesem Augenblick wurde ihm klar, daß er von einer rückhaltlosen Leidenschaft besessen war, einer Leidenschaft, die zum Wahnsinn oder Verbrechen führen konnte.

Das Schicksal wollte es, er sollte alle jene Qualen erdulden, über die er so oft spöttisch zu Gericht gesessen. Liebe? War das Liebe?

Wieder schloß er die Augen.

Und da hielt er sie in seinen Armen, bedeckte ihren jungfräulichen, blühenden Leib mit glühenden Küssen. Ihre Wangen überkam ein leichtes Rot, ihre Augen sahen ihm gerade ins Gesicht, kalt und hart, und ihre Lippen sprachen: ›Du schändest meinen Körper — denn du liebst mich nicht!‹

In dem Rausch seiner Sinne überfiel ihn eine grenzenlose Wut. Er fühlte eine Lust, den zarten Körper zu zerstören. »Mein Blut verlangt nach dir, alle meine Sinne sind in Aufruhr — mein — — mein —«

Unter seinen Liebkosungen aber wich das Leben aus ihrem Körper, sie wurde kalt und starr, eine steinerne Masse.

Da schrie er auf: ›Meine Liebe hat dich getötet!‹

Da schlug sie noch einmal die Augen auf und sagte: ›Deine Liebe?? — Deine Begierde!‹ — —

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