Träume können sich erfüllen.

Der meine hat sich erfüllt.

Im Glück

Deine Lotte.

Ebba ließ den Brief auf den Tisch sinken. Erfüllt! So ward ihnen denn beiden das Glück beschert, eine junge Seele zu hüten und pflegen, und zu entwickeln. Lotte würde das Glück haben, Blut von ihrem Blut ans Herz drücken zu dürfen, und sie selbst würde der Tochter ihres Bruders zur Seite stehen. War es auch nicht ein Teil ihres Selbst, so liebte sie dennoch dieses junge Geschöpf, das ihre liebeshungrige Seele an sie gehängt, wie sie ihr eigenes Kind geliebt haben würde. Nun war sie nicht mehr einsam. Sie konnte nun mit anderen für andere leben! Dem Bruder wollte sie die langentbehrte Häuslichkeit schaffen, sie würde seinem Hause, das bisher der Treffpunkt oberflächlicher, vergnügungssüchtiger Genußmenschen gewesen, den Stempel der Ruhe und Gediegenheit aufprägen.

Auch ihre Wünsche hatten sich erfüllt.

Das Glück, von dem sie geträumt, hatte sie nicht gefunden und konnte sie auch nicht mehr finden. Es lag nicht in ihrer Art, sich über Enttäuschungen hinwegzusetzen. Sie hatte sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Aber vergessen, daß ein Mann in ihr Leben getreten, um es zu zerstören, um sie um alles zu bringen, was das Leben einer Frau wertvoll macht — vergessen konnte sie das nicht. Und darum würde sie auch niemals wieder ihr Leben an die Seite eines anderen Mannes ketten können. — —

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Gerda saß mit Herrn von Reitzenstein in einem kleinen, eleganten Weinrestaurant. Sie hatten sich im Konzert getroffen, und er hatte sie gebeten, mit ihm zu Abend zu speisen.

Einen Augenblick hatte sie mit der Antwort gezögert, hatte ihn groß angesehen, dann aber sagte sie: »Aber ein kleines, ruhiges Lokal bitte, keine lärmenden Menschen — nicht, daß ich fürchte, gesehen zu werden — aber ich bin in Trauer, wie Sie wissen.« —