»Beim Sekt, ja.«
»Hm. Auf die Art, wie Sie es machen, kommen Sie aber nicht zum Genuß. Sie sollten nicht nur nippen — Sie sollten schlürfen — austrinken bis auf den Grund — dann erst haben Sie den vollen Genuß.« Er drängte sein Knie dicht an das ihre, legte seine Hand auf ihre Hüfte und sah sie durchdringend an.
Sie blieb ganz ruhig, zog ihren Körper nur leicht zurück und sagte mit liebenswürdigem Lächeln: »Den Becher bis auf den Grund zu leeren, ist stets vom Übel, Herr Kommerzienrat — ich liebe es nur, zu nippen — dies ist für mich der wahre Genuß.«
»Fräulein von Wangenheim, machen Sie meinen Mann nicht unglücklich, gönnen Sie ihm ein Plätzchen an Ihrem Triumphwagen,« rief Frau Kommerzienrat Gerda zu. »Wie traurig er aussieht, machen Sie ihm ein klein wenig Hoffnung, ich habe sonst zu sehr unter seiner Laune zu leiden.«
»Aber von Herzen gern, gnädige Frau, auf einen Ritter mehr kommt es mir gar nicht an. Ich wußte nur bis jetzt nichts von Ihrer Absicht, Herr Kommerzienrat —,« und sie sah ihn listig an.
Er legte die Hand aufs Herz. »Ihr Sklave.«
Winkelmann saß schweigsam neben Gerda. Seine Blicke spähten nach ihren Augen, und hingen an dem zarten, hochmütigen Gesicht. Plötzlich erbleichten seine Wangen, zuckten seine Lippen krampfhaft, wild und starr blieb sein Blick auf der Hand des Kommerzienrats haften, die sich auf Gerdas Knie verirrt hatte.
Daß er es wagen durfte!
Er sah, wie Gerda die Hand zurückstieß. Keine Miene ihres Gesichts verzog sich, kein Blick streifte den Kommerzienrat, ruhig plauderte sie mit dem gegenübersitzenden Reitzenstein weiter.
Sein Blut kochte. Er hob sein Glas und rief laut über den Tisch: »Auf das Recht zu genießen, wo wir lieben.«