Sie sang, aber es wollte nicht glücken. Das Publikum blieb kühl. Wohl wurde eifrig geklatscht, als sie geendet, aber sie fühlte es wohl heraus, ein Teil des Publikums verhielt sich zurückhaltend.

Zum Schluß mußte sie dreimal hervorkommen, ihre Freunde ruhten nicht eher. Sie erhielt Blumenarrangements — aber — der Abend entsprach nicht ihren Erwartungen.

Winkelmann hatte im Esplanade-Hotel einen Tisch reservieren lassen, und sie saßen zusammen mit ein paar Freunden und Bekannten. Kommerzienrat Menders, der Gerda ein kostbares Blumengebinde hatte überreichen lassen, sagte ihr viel Schönes über ihren Vortrag und daß sie in Kurzem ein Stern erster Größe sein würde. Seine kleinen, blinzelnden Augen verschlangen ihren aus dem schwarzen Geriesel hervortretenden schlanken Hals und ihre Büste mit seinen Blicken. Seine feuchten Lippen ruhten in Gedanken auf jeder Stelle dieses Halses.

Gerda zwang sich, ihm liebenswürdig zu antworten, und duldete es, daß er an ihrer Seite Platz nahm.

Es war eine lustige Gesellschaft, die da beisammensaß, die dem Wein eifrig Zuspruch tat und sich nicht genug tun konnte, die junge Künstlerin zu feiern.

Gerdas Unmut und üble Laune waren bald verflogen. Sie ließ sich den Hof machen und kokettierte nach allen Seiten. Sie ließ sich den schäumenden Sekt in ihren Kelch füllen, trank den prickelnden Schaum und goß den Rest in den Kühler.

»Donnerwetter,« flüsterte der Kommerzienrat, »Sie lieben nur den Schaum?«

Sie sah ihn an.

»Beim Sekt, ja.«

»Sie lieben das Prickelnde?«