»Ehrenwort?«

Er zögerte — dann: »Ich werde Sie nicht zwingen, mein Ehrenwort.« — — —

Sie sitzen in seinem Zimmer vor dem Kamin in tiefe Sessel geschmiegt. Er hat die elektrische Stehlampe entzündet. Ihr roter Schein verbreitet ein rosiges Licht über den Tisch, vor dem sie sitzen, während der übrige Teil des Zimmers in Dunkel liegt. Das Wasser im Teekessel fängt an zu kochen. Er bereitet den türkischen Kaffee und gießt ihn in die Schalen.

»Wie heimisch es bei Ihnen ist! Und wie gut Sie den Kaffee bereiten,« sagt sie.

Er gießt sich einen Kognak ein, stürzt ihn hinunter und schweigt.

Die Uhr schlägt drei.

»Warum haben Sie mich eigentlich hierher gebracht?«

»Weil ich dich zwingen will, die Meinige zu werden, heut, in dieser Nacht! Als ich sah, daß er es wagte, dich zu berühren, dieses Vieh — da kam über mich die Wut — mir gehörst du — mir — ich lasse dich keinem andern.«

Er stößt diese Worte mit rückhaltloser Leidenschaft hervor. Er springt auf, reißt sie mit aller Kraft an sich und küßt sie mit rasender Wut. Sie schließt unwillkürlich die Augen und liegt wie betäubt und schwer in seinen Armen. Er küßt den Hals, die Schulter, das Achselband hat sich gelöst, die zarte, jungfräuliche Brust ist ihm preisgegeben. Da schlägt sie die Augen auf und sieht ihn an mit einem Blick so voller Verachtung, daß sein Blut erstarrt. Der Boden unter seinen Füßen scheint zu schwanken. Er läßt sie in den Sessel gleiten und fällt vor ihr nieder, umklammert ihre Knie und stammelt: »Ich gehe ja zugrunde bei diesem Leben! Sage, was soll aus mir werden? Du mußt doch wissen, daß ich das nicht aushalten kann. So hab doch Mitleid mit mir.«

»Sie überfallen mich, und ich soll Mitleid mit Ihnen haben? Sie geben mir Ihr Ehrenwort, mich nicht zwingen zu wollen, und machen dennoch den Versuch dazu?«