»Ich habe ihm von Anfang an gesagt, daß ich niemals die Seine werden könnte.«
Lotte schweigt. Sie hatte Gerda ihr leichtsinniges Verhalten Winkelmann gegenüber zum Vorwurf machen wollen — aber — was sollte das nutzen? Sie hatte mit Winkelmann gespielt, wie sie mit Reitzenstein spielte, und wie sie es noch mit vielen anderen tun würde. Mochte sie ihre Wege gehen. Vielleicht war sie auserkoren, ihre Mitschwestern an den Männern zu rächen. Sie hatte ja gezeigt, daß sie die Natur dazu hatte. Sie erweckte Hoffnungen, erteilte Gunstbezeugungen, entflammte Blut und Herzen, und schritt dann kühl und lächelnd über zerbrochene Existenzen.
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Die Berliner Kunstausstellung des Jahres 1914 war eröffnet.
Das Publikum drängte sich in den Sälen und begutachtete die neuen Schöpfungen.
In dem letzten der großen Mittelsäle, in welchem die Bildhauer zu ihrem Rechte kamen, standen vor einem Bildwerk, welches gleich einem großen Schrecken aus grünem Blattgewirr hervortauchte, zwei Menschen.
»Wie heißt dieses Ungeheuer?« fragte der alte, weißhaarige Herr den neben ihm stehenden jungen Mann.
»Der Mensch!«
»Der Mensch?« Der Alte blickte mit starkem Interesse auf das Werk.
»Das Tier, sollte darunter stehen,« sprach der Junge.