»Das Tier im Menschen — von dem die heutige Welt sich beherrschen läßt, mein Sohn! Dies Werk spricht vom Erkennen der Zeit.«

»Vater, du wirst doch im Ernst nicht behaupten wollen, daß wir von solch maßlosen Begierden, wie sie auf diesem Gorgonenhaupt thronen, beherrscht werden?«

»Die Menschen werden mehr davon beherrscht, als sie ahnen. Die Gier nach Reichtum und Genuß, nach Sinnenlust und Ruhm, beginnt Sitte und Moral zu überwuchern, und lockert die Bande der Nächstenliebe. Ein jeder hält nur seine persönlichen Interessen, sein eigenes Ich, im Auge, und vergißt darüber das Wohl seiner Mitmenschen.

Sieh, diese unersättliche Gier, die alles verschlingt, alles in sich hineinfrißt. Ein großer Künstler und fühlender Mensch hat dieses Werk geschaffen.«

Der Sohn suchte nach dem Namen. »Eine Frau ist es, die dieses geschaffen — ›Lotte Wunsch‹ — steht darunter.«

»Eine Frau schafft ein Werk von dieser Kraft und Stärke?«

Eine lebhafte Gruppe trat vor das Kunstwerk.

»Donnerwetter, ein Schlag ins Gesicht! Wer fühlt sich getroffen?«

Alle lachten. »Nettes Menschenbild!«

»Soll ’n Witz sein!«