»Nee, Abklatsch. Könnte euch die Vorbilder nennen, nach denen sie gearbeitet hat. Kapitales Frauenzimmer, die Wunsch!«
»Ich kann die Menschen, die sich durch das Geißeln menschlicher Schwächen über andere erheben wollen, nicht leiden.«
»Wer sagt Ihnen denn, daß sie sich überheben will? Vielleicht hat sie viel durch Unbeherrschtheit gelitten. Mag sein, durch eigene — mag sein, durch die Schwachheit der anderen.«
»Meine Herren,« mischte sich der weißhaarige Herr in die Unterhaltung der Gruppe. »Dieses Werk ist ein Markstein unserer Zeit — dieses Werk fordert ein gebieterisches Halt!«
»Erlauben Sie, mein Herr!« Aus der Gruppe löst sich Herr von Reitzenstein und stellt sich gerade und aufrecht vor den alten Herrn hin. »Wovor sollen wir haltmachen? Wir, die neue Generation, sind ein zielbewußtes, starkes Geschlecht. Glauben Sie wirklich, daß, wenn ein oder der andere sich zügellos von seinen Leidenschaften beherrschen läßt, dadurch die ganze Menschheit zugrunde gehen wird? Sie vergessen, daß wir hier die Phantasie einer Künstlerin vor uns haben, die, schwelgend in der genialen Ausführung ihrer Phantasien, doch nur einen kleinen Ausschnitt der Allgemeinheit wiedergegeben hat.«
»Es sind die Phantasien eines über die Menschheit weinenden Herzens, Herr Leutnant.«
»Mag ein Herz über die Menschheit weinen, andere hingegen freuen sich des lachenden Lebens.«
»Was, mein Herr, wollen Sie unserer Zeit zum Vorwurf machen? Ist es nicht eine Freude, gerade in dieser Zeit zu leben? Einer Zeit der Entdeckungen, der Erfindungen, einer Zeit der Ideen und der Aufklärungen?«
»Wir sind eben moderne Menschen,« ergriff Reitzenstein wieder das Wort. »Haben Sie eine Vorstellung, was das bedeutet, mein Herr? Ein moderner Mensch ist ein freidenkender Mensch, dem es einerlei ist, was der andere tut. Der dem Menschen die menschlichen Schwächen zubilligt, weil er weiß, daß wir eben Menschen sind. Ein moderner Mensch ist ein Mensch ohne Ideale und Träume, es ist ein Mensch mit gesunden Sinnen und mit gesundem Egoismus.«
Der Weißhaarige lächelte.