»Gestatten Sie, daß ich Sie hinführe, gnädige Frau?«

»Wenn Sie mir Ihre Zeit widmen können, so wäre das sehr liebenswürdig von Ihnen.«

»Also abgemacht, morgen vormittag holen Sie uns ab, denn selbstverständlich bin ich die Dritte im Bunde,« rief Lotte.

»Es ist recht schade, gnädige Frau, daß Sie uns verlassen wollen,« wandte sich Gerda von Wangenheim zu Ebba. »Ich werde Ihr Fortgehen als eine große Lücke empfinden. Sie waren für mich so eigentlich der ruhende Punkt in diesem Getriebe und schienen mir ein Stückchen Heimat.«

»Sie müssen mich recht oft besuchen. Wirklich, denn glauben Sie, ich werde mich doch recht einsam fühlen.«

»Warum bleiben Sie eigentlich nicht hier? Sie können doch auch hier alle Bequemlichkeiten haben, ohne die Last der Wirtschaftssorgen, und Sie wären nicht ganz allein.«

»Immer hier unter fremden Menschen, ohne eigenes Heim, ohne meine kleinen Sorgen, ein Leben ohne Zweck und Ziel? Ich wäre totunglücklich.«

»Einen Haushalt führen, sich mit Dienstboten herumärgern müssen, das denke ich mir schrecklich. Das ist doch alles so kleinlich, der Alltag tritt so direkt an einen heran.«

»Was wollen Sie, Fräulein von Wangenheim, wir haben sechs Tage Alltag und nur einen Tag Festtag. Sie sind Künstlerin, Sie haben sich diesen Beruf gewählt, Sie dürfen so denken, aber wie traurig wäre es für das Familienleben, wenn alle Frauen so dächten.«

»Glauben Sie nicht, daß es viele Frauen gibt, ich meine verheiratete Frauen, welche die Sorgen des Haushaltes für nicht vereinbar halten mit ihrer höheren Bildung und mit ihren geistigen Interessen?«