»Einerlei. Nicht wahr, Sie studieren bei Professor Sommer?«
»Jawohl.«
»Es soll ein sehr interessanter Mann und guter Lehrer sein. Ich habe viel von ihm gehört. Ich wollte auch Gesang studieren. Sie müssen wissen, wir Amerikaner lieben die Musik sehr. Aber ein Studium nimmt viel Zeit. Ich bin zu praktisch, ohne Vorteil Geld auszugeben. Ich habe keine Zeit zum Studieren, ich liebe es mehr, mich zu amüsieren.«
»Ja, das Studium kostet viel Geld.«
»Die Ausbildung Ihrer Stimme ist eine Kapitalsanlage, die Ihnen später Zinsen bringen wird, vorausgesetzt, daß Sie wirklich Stimme haben.«
»Der Professor hat mir große Hoffnungen gemacht.«
»Waren Ihre Eltern denn mit Ihrer Ausbildung einverstanden? Sie sind aus einer Offiziersfamilie, Ihr Vater ist, wie ich gehört habe, Oberstleutnant. Ist man in diesen Kreisen nicht etwas ablehnend gegen das Künstlertum, wenigstens wenn es die eigene Familie betrifft?«
Ein leichter Zug der Pein huschte über die jetzt wieder bleichen Züge Fräulein von Wangenheims, aber sich bezwingend erwiderte sie:
»Im allgemeinen wohl, Miß Webb. Auch ich hatte einen Kampf zu bestehen, ehe mir die Einwilligung meiner Eltern zuteil wurde, aber — wie Sie sehen — ich bin siegreich aus dem Kampf hervorgegangen und — der Oberstleutnant mußte sich dem Rekruten ergeben.«
»Also: Siegerin. Sie werden auch hier siegen, glauben Sie mir —« und ein so prüfender Blick flog über Gerda von Wangenheim, daß ihr wieder das Erröten kam.