Fräulein Wunsch starrte auf ihr Gegenüber: »Ob ich was?«

»Nun — ob Sie auch den Schrei nach dem Kinde haben? Man sagt bei uns, die deutsche Frau mit einem Beruf will sehr oft ein Kind, aber keinen Mann, sie will Mutter sein, ohne zu heiraten. Ist das richtig? Wie kann man wünschen, ein Kind zu bekommen? Kleine Kinder sind schrecklich. Niemals möchte ich Kinder haben, sie sind lästig und machen so viel Mühe.«

Mit einem energischen Ruck warf sie den Oberkörper nach vorn, setzte die Füße fest auf den Boden und fragte eindringlich zu Fräulein Wunsch hinüber: »Wollen Sie ein Kind?«

»Es wäre wirklich schade, wenn Ihre Mutter ebenso gedacht hätte wie Sie. Im übrigen scheinen Sie aus Schlagwörtern Ihre Kenntnis der deutschen Frau herzuleiten. Ich würde Ihnen auch raten, länger hierzubleiben, um Ihr Wissen an der Quelle zu vervollständigen.«

»Oh, Sie sind böse, weil ich das gefragt habe, das müssen Sie nicht sein. Ich frage nicht aus Neugierde, ich habe viel Interesse für die deutsche Frau, ich suche sie zu studieren. Ich weiß, die Deutschen haben viel Herz, oder sagen Sie Gemüt? Ich kann es wohl verstehen, daß man wünscht, Kinder zu haben, wenn man verheiratet ist, aber wie eine Frau, die nicht verheiratet ist, sich ein Kind wünschen kann, das begreife ich nicht. Sagen Sie, Mrs. Holm, wünschen Sie sich ein Kind?«

»Ich wäre unendlich glücklich, wenn mir in meiner Ehe ein Kind beschieden wäre.«

»Well, Sie waren verheiratet. Aber Sie, Fräulein von Wangenheim, wie denken Sie darüber?« Die lebhaften braunen Augen wandten sich gespannt und voller Neugierde der ihr zur Rechten sitzenden jungen Dame zu.

Ein flammendes Rot überzog die zarten bleichen Wangen, kühle, abweisende Blicke trafen die Augen der Fragenden: »Aber — ich bitte —«

Erstaunt blickte die Amerikanerin sie an: »Ich denke, Sie sind Künstlerin und wollen zur Bühne gehen? Da darf man nicht prüde sein, Fräulein von Wangenheim, da werden Sie noch ganz andere Dinge zu hören bekommen.«

»Ich will nicht zur Bühne gehen, ich will Konzertsängerin werden.«