»Ich vergesse immer, daß Mutterliebe und Kinderliebe ein überwundener Standpunkt sind.«
»Vielleicht wäre es anders, Tante Ebba, wenn die Mütter so wären, wie du bist.«
»Ja, um des Himmels willen, glaubst du denn wirklich, daß alle Mütter so sind wie — —«
»Wie meine Mutter — sprich es ruhig aus. Ja, das glaube ich, denn ich kenne keine anderen.
Du mußt wissen, Tante, daß keine von all den Müttern als eine Mutter gelten will. Fange doch nur mal mit dem Äußeren an. Immer jung, immer schick, man darf ihnen nie die großen Kinder ansehen, sie machen es uns doch selbst unmöglich, Ehrfurcht vor ihnen zu haben. Ehrfurcht haben vor dem Alter ist eine Beleidigung, denn es gibt kein Alter. Alle sind sie und bleiben sie jung.
Weißt du, ich habe schon oft zu Blanka gesagt, ich verstehe gar nicht, warum die modernen Menschen eigentlich Kinder kriegen, wenn sie ihnen doch so lästig sind. Ich zum Beispiel möchte keine Kinder haben, und schon gar eine Tochter! Niemals!«
»Wenn nun alle so dächten wie du, dann würde ja die Welt entvölkert.«
»Das könnte mir gleich sein, wenn ich nur meine Bequemlichkeit hätte! Aber alle denken ja nicht so, das weiß ich wohl. Du, glaube ich, würdest gern eine Tochter haben.«
»Ich habe stets gewünscht, eine Tochter zu besitzen, aber jetzt —«
»Seit du mich kennst,« fiel Inge lachend ein, »fürchtest du dich. Tantchen mein, weißt du denn nicht, daß deine Tochter nie so sein könnte, wie ich bin, wie Blanka, wie all meine andern Freundinnen es sind? Du, du wärest eben eine wirkliche Mutter, mit Ehrfurcht und Respekt und wie die schönen Dinge alle heißen, ganz, ganz anders. Würdest du in Vereine rennen und zu Hause alles gehen lassen, wie es geht? Würdest du dir mit Herren Rendezvous geben? Würdest du alle vier Wochen zum Friseur laufen und dich auffärben lassen? Na, deine aufgerissenen Augen sprechen Bände. Siehste, wo bleibt da der Respekt, die Ehrfurcht?