Daß du nicht sobald wiederkommen willst, tut mir übrigens leid, ich wollte dich gern mit Fräulein Wunsch bekanntmachen.«

»Lotte Wunsch, der Bildhauerin?«

»Eben der!«

»Die ist mir schrecklich interessant, Tante, natürlich komme ich. Klingle mich man an, is ja auch Blödsinn, du kannst in mir nich entdecken, was nich is, und bekehren lasse ich mich nich.«

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In dichten weichen Flocken war der Schnee den ganzen Tag über zur Erde gefallen, Häuser, Bäume, Straßenlaternen mit seinem schneeigen Weiß bedeckend. Unaufhaltsam war das Geriesel heruntergestäubt, zum Jubel der Kinder, zur Freude der Erwachsenen, nun hatte man doch einen richtigen Weihnachtsabend.

Berlin im Schnee. Das war etwas Seltenes. Der Verkehr stockte. Die elektrischen Bahnen mußten den Betrieb teilweise einstellen. Die Wagen und Autodroschken wurden bestürmt und konnten sich nur mit Mühe den Weg bahnen durch die dichte weiße Masse.

Die hastigen Großstadtmenschen schimpften, daß sie nicht schnell genug vorwärtskämen, aber dem Schimpfen war ein Unterton beigelegt. Freude und Lust an dem Neuen, Ungewohnten hatten sie alle. Hastig stürmten sie vorwärts, die frische klare Winterluft in tiefen Zügen einatmend.

In der stillen Margaretenstraße stand eine Frau am Fenster und schaute auf die tanzenden und glitzernden Flocken. Unaufhörlich fiel der Schnee voll Gelassenheit und sehr dicht vom Himmel. Eine wunderbare Lautlosigkeit. Wenn ein Windhauch durch die Bäume ging, der die Zweige leicht anblies, rieselte weiße Streu herab. Die einsame Frau öffnete das Fenster, streckte die Hände hinaus, und leicht und locker fielen die glitzernden Sterne hinein. Mehr, immer mehr. Jetzt bildeten sie schon eine dichte Masse, und prickelnde Kühle durchdrang die Haut. Da kam ein Hauch und entführte die schimmernde Pracht. Mit leeren Händen stand sie da. Langsam rollten zwei Tränen über ihre Wangen. Mit ausgestreckten, leeren Händen und weiß nicht, ob das Schicksal gewillt ist, jemals wieder etwas hineinzulegen, was wert ist, festgehalten zu werden.

Von der nahen Matthäikirche läuteten soeben die Glocken den Heiligen Abend ein.