Man feierte das Andenken an die Geburt eines Menschensohnes, der durch seine Liebe zu den Menschen ein Gottessohn geworden.

Liebe! Ihr ganzes Herz war voll davon. Gern wollte sie schenken, in verschwenderischer Fülle ausschütten — aber wo — wohin damit? Wer wollte ihre Liebe? Wer fragte danach?

Es war ein Gefühl von Vereinsamung und grenzenloser Verlassenheit in ihr, wenn sie einen Menschen gewußt hätte, an den sie sich hätte anklammern können, der ihr half, ihrem Leben Inhalt zu geben. Niemand war da, den sie mit der Fülle ihrer Liebe überschütten dürfte, der nach ihr verlangte und dem sie etwas sein konnte, niemand.

»Tante Ebba!«

Sie fuhr herum.

»Inge, du?«

»Tante Ebba, ich wollte dir helfen, den Baum putzen, denn du — du hast doch heute abend Besuch, und weil du heute beim Baumschmücken so allein —« Hastig waren die Worte über ihre Lippen gekommen, jetzt stockte sie und sah unsicher zu Ebba empor.

»Und zu Haus? Wird man dich nicht zu Haus vermissen?«

Inge machte eine wegwerfende Handbewegung. »Merkt kein Mensch, daß ich nicht da bin. Um neun Uhr offizielle Bescherung — um zehn Uhr großes Weihnachtsessen — zwanzig Menschen. Baum habe ich schon am Vormittag geschmückt. Tante — bist du böse, daß ich gekommen bin? Habe ich dich gestört?«

»Böse? Du dummes, dummes Mädchen du, keine größere Freude hättest du mir antun können.« Fest zog sie das junge Mädchen in ihre Arme und drückte einen Kuß auf die frischen kalten Lippen.