»Puh, wie naß du bist! Mein Gott, du bist der reine Sturzbach. Bist wohl ohne Schirm gegangen?«

»Natürlich, was denkst du! Schnee, da geht man drunter weg, is doch fein. Hab’ mich draußen schon geschüttelt wie so’n nasser Köter, na, etwas bleibt schon hängen, macht nichts, alter Mantel, aber nun laß uns rasch den Baum schmücken, denn ein bißchen möchte ich gern still mit dir darunter sitzen. Ich möchte mal eine richtige stille und gemütliche Weihnachtsstunde haben.«

»Zum Baumschmücken kommst du zu spät, Inge. Auch mein Bäumchen steht schon schmuckbeladen und harrt nur noch, daß ich ihn im Kerzenschimmer erstrahlen lasse. Laß es dich nicht verdrießen, um so länger können wir bei seinem Schein zusammensitzen. Denn jetzt werden wir zwei zusammen das Weihnachtsfest feiern. Rasch, trage deine nassen Sachen hinaus, inzwischen werde ich für dich die Lichter entzünden, für dich ganz allein, Inge, du sollst deinen Weihnachtsabend haben hier bei mir.« — — —

Ebba und Inge standen sich unter dem im Silberschmuck und Kerzenschein schimmernden Baum gegenüber. Einen großen Strauß Christrosen hielt Inge der Tante entgegen. Strahlend schauten die jungen Augen zu ihr empor.

»Das ist alles, was ich dir geben kann, Tante Ebba. Diese schönen, ernsten und stillen Blüten sind meine Weihnachtsgabe für dich.«

»Viel, viel mehr gibst du mir mit diesen Blüten, Inge. Ich war allein, mutterseelenallein, ich fühlte mich so einsam und verlassen und sehnte mich nach ein bißchen Liebe. Ich sehnte mich nach einem warmen fühlenden Herzen, da tratest du in das Zimmer, — Inge, schenkst du mir mit diesen Blüten nicht auch ein wenig Liebe?«

Da umschlangen zwei weiche Arme ihren Hals, und eine zarte Wange schmiegte sich an die ihre, und zwei junge Lippen flüsterten:

»Ich wußte, daß du einsam sein würdest, und darum kam ich. Und es sieht doch beinahe so aus, als ob du mich erwartet hättest. All die schönen Bücher sind für mich? Der Kamm, du, der ist ja echt Schildpatt, soll ich den wirklich haben? Mama hat ja nicht mal nen echten! Nein, du bist zu lieb, Tante, mich so zu beschenken!«

»Kind, ich habe ja niemand sonst, den ich beschenken kann.«

»Aber Tante Ebba, da fällt mir ein, ich habe ja doch noch etwas für dich, das hätte ich beinahe vergessen! Steckt noch in meiner Manteltasche, warte einen Augenblick.«