Noch einen vollen roten Rosenkranz.«

»Das ist schön gesagt, und ich danke Ihnen. Zweimal bin ich heute am Heiligen Abend wirklich beschenkt worden. Vor wenigen Stunden schenkte sich mir ein Kinderherz, um das ich ehrlich und eindringlich geworben, und jetzt zeigen Sie mir den Weg, mir meine Schmerzenstage nutzbar zu machen. Das allein schon braucht mich nicht gereuen zu lassen, daß ich mein Lebensschifflein nach hier, nach der großen kalten Weltstadt Berlin gelenkt habe.«

»Fingen Sie schon an zu bereuen, Ebba?«

»Ja, Lotte. Sie wissen, den Anschluß an meine Familie konnte ich nicht finden. Die Menschen sind gleichgültig und egoistisch, und alles um mich herum stößt mich ab. Ich werde nie recht heimisch werden können?«

»Und wir? Haben Sie nicht uns?«

»Daß ich Sie, Lotte, und auch Sie, Herr Gehring, gefunden habe und Sie zu meinen Freunden rechnen darf, das läßt mich an meinen glücklichen Stern glauben. Und nun lassen Sie mich danken, Ihnen beiden danken, daß Sie gekommen sind, mit mir den Weihnachtsabend zu verleben und mich mein Alleinsein vergessen zu machen.«

Sie hob das bis zum Rand mit dem perlenden Sekt gefüllte Glas und stieß an die ihr entgegengehaltenen Kelche. Schweigend tranken sie den edlen Saft.

»Glauben Sie nicht, daß ich Ihnen mehr Dank schulde? Mich, den einsamen Junggesellen, dulden Sie hier in der Sphäre Ihres heimischen Herdes und schaffen mir einen rechten und wahren Weihnachtsabend.«

»Na, und ich erst! Glauben Sie, es wäre mir gemütlich gewesen, die offizielle Feier in der Pension mitzumachen oder allein in meinem Zimmer am Kamin zu hocken und meinen Punsch zu schlürfen? Oder in meinem Atelier den weißen Marmorstatuen zuzutrinken? Also, nach reiflicher Überlegung — nicht wahr, Gehring — nicht Sie — sondern wir haben zu danken.«

»Lotte, als ob Sie es nicht auch verständen, es gemütlich zu machen.«