»Was wollen Sie, Gehring? Die Begierde nach Gold und Genuß, welche diese Menschen beherrscht, hat sie in einen Taumel versetzt, der Sitte, Moral und Pflichtgefühl untergräbt. Wer einmal in diesen Strudel geraten ist, dem wird es schwer, sich daraus zu befreien.«

»Und Sie, Fräulein Wunsch, Sie waren und sind zum Teil ja noch mitten drin in diesem Wirbeltanz. Ist es Ihnen schwer geworden, sich daraus zu befreien?«

»Ich bin abseits geblieben. Ich habe zu früh gelernt, durch die Menschen hindurchzuschauen. Und dann hatte ich auch meine Kunst. Wer es mit der Kunst ernst meint, der hat viel zu arbeiten.«

»Sie sind ein ernster Mensch.«

»Ich stecke nun mal in einer Haut, aus der ich nicht heraus kann und auch gar nicht heraus will. Mir graut, wenn ich daran denke, ich könnte so geworden sein wie Thea Westphal.«

»Und eine Frau wie Sie konnte das Glück nicht finden?«

Sie wurden während ihres Gesprächs durch neu hereintretende Gäste seitwärts gedrängt und standen jetzt in einer Fensternische sich gegenüber. Gehring sah fragend auf Lotte.

Sie schüttelte den Kopf. »Ich hatte nicht den Mut, daran zu glauben.«

»Haben Sie nie einen Mann geliebt, Lotte?«

»Nie.« Herb kam es von ihren Lippen. Dann kam ein sanftes Rot auf ihre Wangen. Mit aufleuchtendem Blick preßte sie die Hand aufs Herz und sagte leise und innig: »Jetzt habe ich den Mut gefunden.«