»Herrliches Geschöpf!« »Ein entzückendes Weib.« »Donnerwetter, das ist eine Erscheinung!« »Wie fanden Sie den Gesang?« »Gesang? Weiß ich nicht, habe nur auf die Erscheinung gesehen.« »Still doch, sie singt noch einmal.«
Und Gerda sang, und wieder umfing sie begeistertes Händeklatschen. Die Herren umringten sie und überschütteten sie mit Schmeicheleien. Ruhig und kühl stand sie inmitten der Schar. Ruhig und kühl von außen, aber mit dem Rot der Erregung auf den Wangen und mit einer wallenden Glut im Herzen. Also doch. Sie war eine Gottbegnadete, sie war eine Künstlerin. Ihr Gesang hatte gewirkt. Mein Gott, war das ein Gefühl, umbrandet von Beifallsrauschen, Worte der Anerkennung und Blicke der Bewunderung zu hören und zu sehen.
Thea Westphal stürzte auf sie zu und drückte ihr die Hände. Sie war überglücklich, sie ›entdeckt‹ zu haben. »Ich bitte Sie, meine Herren, vergessen Sie nicht, in meinem Hause hat diese gottbegnadete Künstlerin das erstemal gesungen. Und nun kommen Sie, Fräulein von Wangenheim, ich werde Sie mit unserm gefürchteten Musikkritiker bekannt machen.«
Der Kritiker sah lächelnd auf Gerda. »Gnädiges Fräulein, Sie haben viel Beifall gehabt. Wenn ich Ihnen raten darf, so vergessen Sie aber über dem Beifall nicht, noch recht fleißig zu studieren.«
Ein kalter Strahl war auf sie herniedergefahren, sang sie für einen oder sang sie für die Menge? Die Menge hatte ihr zugejubelt. Einer hatte ihr gesagt: Du bist noch am Anfang deines Könnens. Einer gegen viele. Aber dieser eine wog die hundert auf, denn er war der Kenner, und was er sagte, galt. Er hatte es nur zu ihr gesagt. Sagte er es laut, so sagten die hundert wie er.
»Gnädiges Fräulein, einfach gottvoll haben Sie gesungen. Ich bin noch ganz hin. Mein Gott, diese Stimme! Sie werden bald zu den ganz Großen gezählt werden.« Und Herr von Reitzenstein legte die Hand aufs Herz und sah Gerda bewundernd an.
Sie seufzte. »Ach, das kann noch lange dauern.«
»Aber, gnädiges Fräulein, so mutlos nach diesem Erfolg? Was verlangen Sie denn noch mehr? Mehr als die Handschuhe zerklatschen und Ihnen sein Herz zu Füßen legen, mehr kann man doch nicht tun.« Und er zeigte ihr seine Hände mit den geplatzten Handschuhnähten.
Sie lächelte. »Nein, wahrhaftig, mehr verlange ich auch nicht. Ihnen habe ich ein gut Teil meines Erfolges zu verdanken, wie mir scheint.«
Er wehrte ab. »Wenn gnädiges Fräulein nicht so entzückend gesungen hätten und so blendend aussehen würden, hätte ich wohl schwerlich die andern mit fortgerissen.«