»Fräulein von Wangenheim, endlich kann ich mich zu Ihnen hindurchdrängen.« Und Lotte Wunsch streckte ihr die Hand entgegen. »Gut haben Sie Ihre Sache gemacht. Und tapfer haben Sie die erste Angst bekämpft. Ich wurde etwas ängstlich, als Sie anfingen und Ihre Stimme so stark vibrierte. Aber Sie haben sich durchgesungen.«

»Sie glauben also, daß ich zufrieden sein kann?«

»Na, erlauben Sie mal. Sie haben sich hier in diesem großen Kreis gut eingeführt, haben Beifall geerntet, und da fragen Sie noch, ob Sie zufrieden sein können? Man ist aufmerksam auf Sie geworden, man ist vorbereitet, Sie im Konzertsaal zu hören, man erwartet etwas von Ihnen; daß Sie nicht enttäuschen, das ist Ihre Sache, Kind.«

Kurt Winkelmann, der sich abseits der Gerda umgebenden Gruppe gehalten hatte, gesellte sich zu ihnen. Ohne Gerda von Wangenheim zu beachten, trat er zu Lotte Wunsch und unterhielt sich mit ihr. Gerda, aufgestachelt durch die sie umgebenden Huldigungen, wandte sich ihm zu und sprach hochmütigen Tones: »Sie, Herr Winkelmann, sind der einzige, welcher nichts über meinen Gesang zu sagen weiß.«

Ein kleines, mokantes Lächeln ging über seine Züge. »Ich liebe es nicht, mit der Masse zu gehen, gnädiges Fräulein. Ihr erstes Auftreten hat einen viel zu tiefen Eindruck auf mich gemacht, als daß ich imstande wäre, Ihnen mit ein paar banalen Redensarten aufzuwarten.«

Der Hochmut und die spöttische Überlegenheit wichen aus ihren Mienen. Welcher Ton! Hatte sie ihm dennoch Unrecht getan? War er wirklich tieferer Eindrücke fähig? Und ihr Gesang sollte das zu Wege gebracht haben? Da hätte sie ja die erwartete Wirkung. Sie sah ihm voll in die Augen. Dann hielt sie ihm die Rechte entgegen und erwiderte: »Diese Worte sagen mir mehr als all die Komplimente.«

Kühl und gelassen verbeugte er sich, berührte mit seinen Lippen die ihm entgegengestreckte Hand und fragte: »Ist es Ihnen unangenehm, wenn ich den heutigen Gesellschaftsabend in Ihrer Pension besuche?«

»Unangenehm, mir? Wie kommen Sie darauf?« Und wieder schlich sich der Hochmut auf ihre Züge.

»Ich glaube bemerkt zu haben, daß Sie, gnädiges Fräulein, mir eine gewisse Antipathie entgegenbringen.«

»Sie täuschen sich, Herr Winkelmann, dazu liegen doch wohl zu wenig Berührungspunkte zwischen uns.«