Ebba hob die Hand. »Laßt es gut sein, kommt und plaudert.« Und sie setzten sich zu ihnen.

»Das werdet ihr mir noch büßen müssen, ihr Racker,« grollte der Maler. Er stürzte ein Glas Wein hinunter. Seine Augen blieben auf Lotte haften. »Du großes Feuer, komm, tanz’ mit mir.« Er war aufgestanden und zu Lotte getreten. Sie zögerte. »Na, zum Stillsitzen sind wir doch nicht hergekommen. Hier tollt man sich aus. Wer genug getollt hat, mag sich setzen, ich fange erst an, komm.« Sie war aufgestanden, er umfaßte sie und tanzte mit ihr in den Saal hinein.

»Lottes durchgeistigte feine Züge neben diesem Urbild der Kraft zu sehen, ist reizvoll,« sagte Ebba. »Wenn die beiden einen Kampf miteinander zu bestehen hätten, wer würde siegen? Brutalität oder Geist?«

»Wie kommen Sie auf den Gedanken, Frau Ebba?«

»Ich muß bei Männern von ausgesprochenem Despotismus immer an Kampf und Auflehnung denken.«

»So lieben Sie den Mann als Herrn nicht?«

Sie sah ihn an. »Glaubten Sie das?«

»In Ihnen, Frau Ebba, steckt soviel echte Weiblichkeit, ein so großes Gefühl des Sichanschmiegenmüssens, daß man annehmen sollte, Sie würden so empfinden.«

»Es ist doch sonderbar, daß es so wenig Männer gibt, die Mann und Frau als nicht gleichberechtigt betrachten können. Die den Mann als Krone der Schöpfung immer über das Weib stellen, zu dem wir anbetend emporschauen sollen.«

»Sie irren, Frau Ebba. Wir Männer wissen, daß wir die Frau von heut mit anderen Augen betrachten müssen, als die Frau von vor dreißig Jahren. Die Frauen haben gezeigt, was sie zu leisten imstande sind, sie haben sich Berufe geschaffen und erobert. Sie haben gezeigt, daß sie imstande sind, auf eigenen Füßen im Leben zu stehen. Sie haben sich eine Bildung angeeignet, die vollwertig der des Mannes ist. Heut ist die Frau die Kameradin des Mannes geworden. Und doch — trotzalledem wird die Kameradschaft zwischen Mann und Frau in die Brüche gehen — allemal — wenn die Frau nicht zum Manne emporblicken kann. Ich glaube, auch Sie empfinden so, Frau Ebba. — Jede echte Frau muß meines Erachtens nach so empfinden — und in diesem Sinne bitte ich meine Worte von vorhin zu deuten.«