»Ja, dafür sind Sie auch auf einem Künstlerfest,« versetzte der Maler. »Sehen Sie diese Inderin, gnädige Frau, das ganze Kostüm ist echt. Und wie wundervoll sie die Haut getönt hat. Es ist die Frau eines bekannten Bildhauers. Und dort den entzückend aussehenden italienischen Strauchdieb mit den melancholischen, bettelnden Augen. Ja, die Künstler verstehen es, sich in die Haut, die sie für den Abend gewählt haben, hineinzuschmiegen.«

»Das liegt wohl daran, weil sie wissen, was für ihre Eigenart passend ist.«

»Es ist eben der Künstlerblick,« warf Gehring dazwischen.

Die zwei Rattenfänger waren in die Tür getreten und näherten sich flötend dem Tisch.

»Macht, daß ihr fortkommt, ihr Verführer. Könnte euch passen, unsere Liebsten zu locken.« Der Maler wetterte ihnen entgegen.

Die beiden spielten, lockten und umkreisten den Tisch.

Es waren zwei schlanke jugendliche Gestalten, die eine blond, die andere schwarz. Die eine das Urbild der germanischen Rasse, die andere von pikantem Reiz erinnerte an Bilder altjüdischer Frauen. Der Maler war aufgesprungen und haschte nach ihnen. Er bekam die Blonde zu fassen und umschlang sie. »Loskaufen, du Lockvogel,« und er versuchte, sie zu küssen.

Sie zappelte und wehrte sich. Da eilte die Schwarze zur Hilfe und kitzelte ihn mit ihrer langen Hutfeder. Da war das Zappeln an ihm. Die Blonde entwischte seinen Armen, und beide hänselten ihn mit ihren Federn. Die ganze Tischgesellschaft lachte und hatte ihre Freude an seinen Krümmungen und Sprüngen.

Endlich rief Gehring ihnen zu: »Genug, Jungens, schließt Frieden und gibt ihn frei. Kommt an unsern Tisch und trinkt mit uns, aber laßt unsere Frauen in Ruh, das will ich euch geraten haben. Sonst bekommt ihr es auch mit mir zu tun.«

»Hu,« schrien die Rattenfänger, »was für Angst wir haben! Unsere Waffe wird ja auch bei dir ihre Dienste tun.« Und sie hielten ihm die Feder unter die Nase.