»Bist du deiner Macht so sicher?«

Sie wurde einer Antwort enthoben, atemlos kam Lotte an den Tisch gestürzt, der Maler hinter ihr her.

»Er gibt mich nicht frei, rettet mich.« Sie sank auf Gehrings Stuhl, der aufgesprungen war.

Der Maler versuchte sie wieder emporzuziehen.

»Ich kann nicht mehr, du Ungeheuer. Willst du, daß ich mich zu Tode tanze?«

»In meinen Armen zu Tode getanzt — da hättest du einen schönen Tod gefunden.«

»Ich danke. Ich würde doch einen anderen Tod vorziehen.«

Des Malers Augen fielen auf Gerda. »Ah, da ist ja die Gnädige, und wie mir scheint, die passende Gesellschaft ist auch gefunden.«

Durch die Tür drängte sich jetzt eine Gruppe spielender Kinder. Frauen in Hängekleidchen, Wadenstrümpfen und Babyhauben. Ein paar junge Herren in Matrosenanzügen. Ein alter, dicker Herr als Kinderfrau jagte die Gesellschaft vor sich her, schlug und neckte die kleinen Mädchen. Eine ›Kleine‹ in weißen Spitzenröckchen mit hellblauen Wadenstrümpfen, einem Häubchen auf dem blonden Lockenkopf, hängte sich dem Alten um den Hals und bettelte: »Nicht böse sein, Tinnerfrau. Ich dans artig bin.« Und der Alte schmatzte einen Kuß auf die jugendlich rosenrot gemalte Wange.

»Ist das nicht der Gipfel der Geschmacklosigkeit?« höhnte der Maler. »Glauben die Damen wirklich dadurch jugendlich zu wirken? Ich taxiere keines dieser Kinder unter dreißig Jahre alt. Wie finden Sie die Maskerade, gnädige Frau,« wandte er sich an Ebba. Die hörte ihn nicht. Blaß, mit großen, entsetzten Augen saß sie da und starrte auf die Gruppe. Ihre Hand krampfte sich in die Schulter der neben ihr sitzenden Lotte Wunsch, und sie murmelte: »Thea — Lotte, es ist Thea — wie schrecklich.«